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unterbrach ihn der Kaiſer mit erhobener Stimme. „Aber wie kommt es, es iſt ja das erſte Mal, daß ich von dieſer Sache ſprechen höre? Keiner Ihrer Berichte hat mir dieſelbe erwähnt.“
„Das iſt wahr, Sire, aber der Unglückliche hat es nicht gewagt, bei Ihrer Majeſtät um Gnade zu bitten, weil er, wie alle ſeine Kameraden, wie wir Alle, weiß, daß Sie niemals mit den Geſetzen der Mannszucht einen Vergleich treffen.“
„Ahl ah!“ unterbrach ihn der Kaiſer,„eben das iſt Eiwas, was man am gernſten thut. Nun?“
„Nun ja, Sire, die Exekution ſoll ſogar heute nooch Statt haben, innerhalb drei Stunden,“ fuhr Michelin fort,„und ich bitte wenigſtens um eine Aenderung der Strafe für einen Menſchen, der ohne Zweifel Schuld hat, aber der das Kreuz trägt, der—
„Genug, mein Herr Generall“ unterbrach ihn noch einmal der Kaiſer, deſſen Geſicht ſich im Ver⸗ laufe der Rede des Generals immer mehr verfinſtert hatte.„Sie find es, welcher von mir verlangt, ich ſolle den Lauf der Kriegszucht hemmen, und zwar zu Gunſten eines ſolchen Verbrechens! Ihr Schützling iſt ein unerſchrockener Soldat, ſagten Sie; wer iſt nicht unerſchrocken in meiner Garde? Muß ich Ihnen ſagen, daß die tapferſten Soldaten ohne Mannszucht bloß eine ſchlechte Armee ausmachen? General! ich kann Nichts thun; Gerechtigkeit muß geſchehen; kein böſes Beiſpiel ſoll unter meiner Garde gegeben wer⸗ den. Und dann hätte man mich zuvor von der Sache in Kenntniß ſetzen ſollen.“
„Sir, ich bitte Ihre Majeſtät, mir die Erlaub⸗ niß zu geben, daß ich Ihnen die Thatſachen auseinan⸗ der ſetzen darf.“ 3
„Pahl! aber— damit hätten Sie ja anfangen ſollen, wiewohl dieſe Thatſachen das Loos dieſes Men⸗ ſchen in keiner Weiſe ändern können. Ich will übri⸗


