Bonneville ſchloß die kalte Hand des Tambours in ſeine fieberhaften Hände. Ein Augenblick des Still⸗ ſchweigens folgte auf dieſen Augenblick der Aufregung; der Sergeant brach ſie zuerſt.
„Warum bitten Sie den Kaiſer nicht um Gnade?“ fing er an.„Er iſt ſo gut gegen Sie—“
Der Unglückliche hatte nicht gewagt zu ſagen: uns,“ weil die ſtrengen Worte, welche Napoleon beim kleinen Manufakturpoſten an ihn gerichtet in Betreff der Dekorirten, ihn ungeheuer gedemüthigt hatten.
„Nichts davon,“ erwiderte der Tambour,„der kleine Korporal iſt ſelbſt ein zu guter Soldat, um mich nicht ſo zu richten, wie der Kriegsxath gethan hat. Ich will Nichts von Gnade, nein! überdieß würde mir der Kaiſer keine ſchenken; ich kenne zu gut ſeine Anſichtsweiſe in Bezug auf die Sache. Warten Sie, Bonneville,“ fuhr Romeuf fort, indem es ſchien, als wolle er ſich über ſich ſelbſt hinausheben,„ich ſehe Sie nicht wieder, aber laſſen Sie mich in Ruhe; Sie weinen, indem Sie an mich denken, wie eine alte Marketenderin, welche ihren Großvater verloren hat. Sie benehmen ſich gar nicht ordonnanzmäßig in dieſer Viertelſtunde. Ich habe Sie geſehen, nicht wahr; Nun gut! da werde ich mit größerer Ruhe ſterben.“
Bei dieſen Worten ſchien ein plötzlicher Gedanke im Herzen des Sergeanten aufzutauchen.„Adieu!“ ſagte er zu Romeuf. Er ſtürzte eiligſt aus dem Zimmer.
„Guten Abend!“ ſagte der Tambour, indem er ihm mit erſtaunter Miene nachſah. Dann zog er aus ſeiner Taſche eine Art Pfeife von geſchwärztem, bei⸗ nahe verkalktem Tone, ſtopfte ſie ruhig mit Tabak, und ſagte:
„Jeder darf, ſo viel Freiheit hat er, ſeine eigene Anſichtsweiſe haben.“
Nach ſeiner Zurückkunft in die Kriegsſchule ſtattete Bonneville dem General Michelin Bericht ab über


