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3.
Kurze Zeit, nachdem die Gäſte Hillinge verlaſ⸗
ſen hatten, begann Julie eines Abends über Kopfweh und Schwere in den Augen zu klagen. Mit ängſt⸗ lichem Eifer richtete die erſchrockene Mutter ein ent⸗ legenes Zimmer für ihre geliebte Tochter her und befahl Roſa in den zweiten Stock zu ziehen, denn ſie wollte ſelbſt und allein Julien pflegen, falls die ge⸗ fürchtete Krankheit zum Ausbruche kommen ſollte, und Roſa wurde alle Berührung mit dem Zimmer ihrer Schweſter aufs Strengſte verboten. „Die arme Julie lag die ganze Nacht über in glühendem Fieber und der Arzt, der am Morgen ge⸗ rufen wurde, erklärte beſtimmt, daß daraus die Pocken werden würden. Die Profeſſorin ſchrieb ein Billet an Leopold und es ſtand nicht lange an, ſo flog er nach Hillinge, um ſeine leidende Braut und ihre bekümmerte Mutter zu tröſten und aufzuheitern.
Aber der Kummer der letztern ſollte noch durch eine neue Laſt vermehrt werden. Zwei Tage nach Juliens Erkrankung mußte auch Rofa, die im Gehei⸗ men und trotz des Verbots, ihre Schweſter beſucht hatte, zu Bett, und fetzt wanderte die arme Mutter in der tiefen Angſt ihres Herzens von einem Kran⸗ kenzimmer ins andere. Ein neuer Bote wurde nach
der Stadt abgeſandt, um Wilhelm von dem gefähr⸗
lichen Zuſtande ſeiner Braut zu unterrichten. Aber erſt am andern Abend langte der Auditor bleich und verſtört an. Im Saale begegnete er Leopold, der mit einem Trank zu Julien hineinging. 3 „Wie ſteht's, was hältſt Du davon?“ fragte Wilhelm mit einer Stimme, die hörbar zitterte,„gehſt Du denn in ihr Zimmer?“
„Das kannſt Du Dir doch denken,“ antwortete 4 der Landeskämmerer ärgerlich.„Was ſollte ich denn
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