Teil eines Werkes 
1.-3. Bändchen (1845)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

19

anders hier thun, als ſie tröſten und pflegen, ſo gut ich kann?

Ja wohl, ja wohl, aber wenn man Anlage zur Anſteckung hat, ſo ſehe ich eben nicht ein, ob es ganz recht iſt, ſich der Gefahr auszuſetzen.

Leopold lächelte. Es war nicht zu verkennen, was er dachte.

Nun, wie ſteht es denn mit meiner geliebten, meiner unausſprechlich geliebten Roſa? Ach, meine göttliche Roſa ich muß ſie beſuchen, es iſt meine Pflicht und wenn es mich mein Leben koſtete. Ich geſtehe jedoch, Bruder Leopold, daß ich eine Natur beſitze, die unglücklicher Weiſe doch ihre Pocken hoffe ich, ſind noch nicht ſo ſchlimm.

Noch nicht, fie ſind noch nicht einmal ausgebro⸗ chen; aber in einigen Tagen wird ſie wohl eben ſo ausſehen, wie meine arme geduldige Julie.

Wilhelm ſeufzte tief; dennoch ſuchte er die Pro⸗ feſſorin auf, um etwas von ihr zu erbitten, was er gewiß gern geſehen hätte, wenn ſie es ihm verwei⸗ gert haben würde, nämlich die Erlaubniß: Roſa beſu⸗ chen zu dürfen. Aber Mama, die der Meinung war, er habe ſich Zeit genug gelaſſen, war etwas kurz ange⸗ bunden und ließ ein und das andere Wort über Prahlereien mit Gefühlen fallen, die nur auf den Lippen lägen. Der Auditor war die Geduld ſelbſt bei dieſen mütterlichen Vorwürfen. Er antwortete nicht ein einziges Wort, das die ernſte Frau noch mehr hätte reizen können und ſtammelnd wagte er einige Entſchuldigungen wegen dringender Geſchäfte und mehrerer anderer Hinderniſſe.

Es iſt genug, unterbrach ihn die Profeſſorin bitter,wenn es Deine Abſicht iſt, Deine Braut zu ſehen, ſo komme mit.

Mit langſamen Schritten ging Wilhelm die Treppe hinauf. Sein Herz war beklommen, denn er mußte es ſich jetzt geſtehen, daß die Rehe zwar eine