Teil eines Werkes 
1.-3. Bändchen (1845)
Entstehung
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Dir ſchämen muß; und dann will ich Dir auch ſagen, mein lieber Reinhold, daß man nicht ſo hitzig ſein ſoll, wenn man von anderer Leute Eigenthum ſpricht.

Hat mich die Tante nicht in Verſuchung ge⸗ führt, als die Tante ſelbſt von der Sache anfing? entgegnete der Bergherr ſcherzhaft.

Ja, aber nur damit Du Deine Gedanken auf eine kluge Weiſe ausſprechen möchteſt und nicht um dir Gelegenheit zu geben, von Lanzenbrechen und anderem Zeuge zu faſeln... Aber höre, wir dürfen hier nicht ſo allein gehen, es ſieht aus, als ob wir etwas Beſonderes mit einander verabreden wollten. Und dabei machte Tante Ebba mit dem Kopfe eine Wendung zur Linken, der Körper folgte langſam nach. Da man jetzt einen offenen Platz erreicht hatte, ſo wurde die Unterhaltung allgemein.

Am Sonntag fuhren alle Hillinger Herrſchaften nach der Kirche, und da man ſich der Buße unterzog, die Bekanntmachungen mit anzuhören, ſo kam man nicht ſehr luſtig nach Hauſe. Pocken, Pocken und nichts als Pocken! Drei Leichen waren ſchon beer⸗ digt worden, für eben ſo viele wurden die Abdankun⸗ gen gehalten und für wenigſtens zehn Perſonen gebe⸗ tet.Das iſt ja ganz betrübt, ſagte die Profeſſo⸗ rin, als ſie beim Mittagstiſche die Brode zur Suppe

ſchnitt.Gott behüte meine Mädchen und uns alle!

Ich habe eine unruhige Ahnung.

Es war, als ob die ganze Geſellſchaft die von der Profeſſorin ausgeſprochene Unruhe theilte, denn es wollte keine heitere angenehme Stimmung in Gang kommen. Am Montag Vormittag reisten die beiden Bräutigame ab, zu ihrem Aerger aber blieb Tante Ebba und folglich auch der Bergherr noch einige Tage, der Letztere offenbar von Roſa's liebenswür⸗ digen Reizen gefeſſelt.

Tutti Frutti. I.