allein unterhalten durfte, da die ſchmalen Fußpfade nur ſo weit Raum boten, daß gerade ein Paar bequem neben einander gehen konnte.
„Wie gefallen Dir meine Nichten, mein lieber Reinhold?, fragte die gute Frau und ſtützte ſich be⸗ deutend auf die Schulter ihres jungen Verwandten.
„Unbeſchreiblich gut, Tantchen! Julie finde ich jedoch etwas ſtille; man könnte ihr wenigſtens etwas mehr Leben wünſchen. Roſa dagegen iſt allerliebſt.“
„Ja, ja, ſie iſt ein wahrer Engel! und Julie wäre wohl eben ſo munter, wenn die Sache nicht ihre gewiſſen Gründe hätte. Doch ich will Dir ſagen, was die Schweſter mir darüber anvertraut hat. Das Mädchen wagt es nämlich nicht mehr ſo frei zu ſpre⸗ chen, wie früher. Beſonders in Gegenwart von fremden Männern, da der Landeskämmerer, der ſonſt ein ganz braver und wackerer Mann iſt, die Schwach⸗ heit beſitzt, ein wenig eiferſüchtig zu ſein. Er möchte ſeine Braut ganz für ſich ſelbſt haben!“
„Nun, da hat er nicht ſo ganz Unrecht, aber der Auditor iſt, glaube ich, nicht ſehr eiferſüchtig, trotz all' ſeiner Prahlerei mit ritterlicher Liebe.“
„Höre, der Mann gefällt mir nicht recht; er iſt ganz gewiß ein Windbeutel, er ſchwatzt ja wahren Häringsſalat! Und ich weiß nicht, wo Guſtavine, die doch ſonſt ein ſo verſtändiges Weib iſt, Augen und Ohren hatte, als ſie zu dieſer Partie„Amen’ ſagte.“
„Glauben Sie denn nicht, Tante, daß der Audi⸗ tor die ſchöne Roſa glücklich machen wird? Es wäre wahrhaftig ſehr Schade um ſie! Und wenn wir in den Zeiten lebten, die er mit aller Gewalt zurückbringen will, ſo hätte ich gute Luſt, eine Lanze für ſie zu brechen.“
„So, ſo, ei daß Dich— kommſt Du mir jetzt
auch mit Rühreiern daher? Aber trete mir nicht ſo die Blumenrabatten buſenmen, das rathe ich Dir.
Du gehſt ja ſo nachläßig, daß ich mich beinahe an


