Teil eines Werkes 
1.-3. Bändchen (1845)
Entstehung
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reichen Beiſitzers⸗Sohne von Wik verſprochen; in der vorigen Woche erkrankte das Mädchen an den Pocken und ſtarb. Der Bräutigam, der während ihrer Krank⸗ heit viel gelitten hatte, ſchien Anfangs ruhig und man glaubte, er werde ſich ſchon tröſten, als er heute mor⸗ gen an dem Mühldamme angeſchwemmt gefunden wurde. Der arme junge Burſche hatte ſich ertränkt. Die Leiche wurde eben über den Hof getragen, als wir uns in den Wagen ſetzten. Eine ſolche Betrüb⸗ niß iſt doch etwas zu ſtark.

Sie iſt nur, wie ſie ſein ſoll! rief der Auditor. So groß iſt nun einmal die Macht der Liebe; er liebte ſie mehr als ſein Leben, deßhalb konnte er nicht leben, als ſie todt war. Das iſt natürlich. Ich begreife das wohl, ſetzte er mit einem warmen Blicke auf Roſa hinzu.Man liebt nicht für einen Tag oder ein Jahr, nein bis in den Tod! Das iſt mein Wahlſpruch.

Die ganze Geſellſchaft lächelte auf eine Weiſe, welche Wilhelms reizbares Gefühl verletzte.

Es iſt doch ſonderbar, ſagte er,daß die Liebe, dieſe reinſte und erhabenſte unſerer Empfindungen, gegenwärtig wie ein Spiel behandelt wird! Aber mag ſie als ein ſolches anſehen, wer da will ich für meine Perſon bin ſtolz darauf, zu wiſſen, daß ich die beſte edelſte Gabe nicht verkenne, welche uns der Schöpfer geſchenkt hat, um uns mit den Widerwärtig⸗ keiten des Lebens auszuſöhnen.

Niemand lächelte mehr über dieſe warme Ver⸗ theidigung des unglücklichen Liebhabers. Roſa drückte ihm freundlich die Hand und man ſprach von etwas Anderem.

Nach dem Abendeſſen wollte Tante Ebba einen Spaziergang in den Garten machen. Die jungen Leute begleiteten ſie und der Bergherr zeigte zur großen Freude der Herren Bräutigame, Takt genug, um ſeinen Arm der Alten anzubieten, die er bald