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Ernſt.„Das iſt nicht ſchön geſagt, Wilhelm, und noch weniger ſchön gedacht. Ein Maͤnn, der ſein Weib ſelbſt gefeiert zu ſehen wünſcht, liebt ſie nur des äußern Scheins halber, alſo nur aus Eitelkeit. Und da erkläre ich, daß Julie mehr Gründe hat, mit Leo⸗ polds Grundſätzen zufrieden zu ſein, als Roſa mit den Deinigen.“
Wilhelm erröthete leicht, und war eben auf dem Wege, einen ſpitzfindigen Einwurf zu machen, als ein Wahen in den Hof rollte und der Seſſion ein Ende machte.—
2.
„Willkommen, willkommen, liebe Tante Ebbal!⸗ riefen die Mädchen, und führten eine große Dame mit einem röthlichen Geſichte nach dem Sopha im Saale, während ſie wetteiferten, ihr das Hutband auf uknüpfen, die von der Reiſe etwas mitgenommene Krauſe zu recht zu machen und den Shawl hinauf zu ziehen, der ſeiner Beſtimmung, den allzu ſonnenverbrannten Hals zu bedecken, vergeſſen zu haben ſchien.
„Schon gut, ſchon gut, Mädchen,“ ſagte die Pro⸗ feſſorin, die ihren Willkommgruß noch nicht hatte an⸗ bringen können,„laßt jetzt Tante Ebba hübſch Athem holen, wendet euch um— wir haben ja noch mehr Gäſte.“ Und während jetzt die Profeſſorin und die würdige Probſtin H., ihre Schweſter, einander um⸗ armten und küßten, verneigten ſich die Mädchen vor einem Herrn, deſſen ganze äußere Haltung bis auf die Verbeugung hinaus, einen artigen und beſcheide⸗ nen jungen Mann, einen Mann aus Mama's zweiter Klaſſe ankündigte.
„Meines Mannes Bruders Sohn, der Bergherr H.,“ ſtellte ihn Tante Ebba mit ſtolzer Miene vor;
die Profeſſorin that dasſelbe mit ihren künftigen
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