Teil eines Werkes 
1.-3. Bändchen (1845)
Entstehung
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Fleichbeveutend und auf die Verſprechungen dieſer ann ſich ein Weib getroſt verlaſſen.

Hm!a ſagte Roſa nachſinnend, und fuhr mit der kleinen Hand nachläßig durch die wohlgekräuſelten Locken.Ich bin nicht ſo ganz gewiß, ob ich Wil⸗ helm zu der letzten Klaſſe rechnen darf.

Laß Deine Anklage hören, fiel die Mutter lächelnd ein. 3

Nun, Mama, er behauptet, er liebe mich mehr als ſich ſelbſt, und keine Verhältniſſe vermöchten ſeine Geſinnung zu ändern, denn er liebe mich unermeß⸗ lich für Zeit und Ewigkeit.

Zu ſtark, zu ſtark, ſagte die Profeſſorin, und erhob in ſcherzhaften Drohungen den Finger gegen Wilhelm.Nimm Dich vor der Waſſerperiode in Acht, wein Sohn! Doch laß den zweiten Punkt hören, Roſa.

Er betrifft Leopold, Mama. Er behauptet, Wilhelm ſchwatze in den Tag hinein, und ſagt, er

wolle nicht für ſein Herz ſtehen, Falls Julie ihm die

Ueberraſchung bereite und an der Aufmerkſamkeit eines andern Mannes Vergnügen finde. Was meint wohl Mama dazu? Er ſcheint ſich nicht zu geſtehen, daß er ſie ſo ganz für ſich ſelbſt wolle, daß es ihm am liebſten ſei, wenn ſie keinen Blick von einem Andern bekomme..

Beſſer zu wenig verſprochen, als zu viel! Ich ziehe Leopolds Satz vor, obſchon auch in dieſem einige Uebertreibung liegt. War es noch etwas mehr?,

Ja, Mama, Wilhelm ſagt auch, daß er ſich ſtolz und geſchmeichelt fühlen würde, ein Weib zu beſitzen, um das ihn Andere beneideten. Er erlaubt mir, ſo viele Huldigungen anzunehmen, als mir nur darge⸗ bracht werden.

Das war nicht gut, ſprach die Profeſſorin, und der ſpielende Scherz, der bisher in ihrem Tone gele⸗ gen, verwandelte ſich in einen frommen, würdigen