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Herr, die zuerſt den Antrag ſtellte, die Sache einem Gerichte zu unterwerfen? ÜUnd ich hoffe, es erheben ſich keine Stimmen gegen meine ſelbſt gewählte Würde.“
Da ein allgemeines Schweigen bewies, daß die Wahl gebilligt wurde, ſo ſtand Roſa auf, und eröff⸗ nete die Seſſion mit folgender Frage:„Gütigſte Mutter und Richterin! Du, die aus eigener Erfahrung weißt, was wir zeitig genug erfahren werden, ſage mir, darf man ſich auf die Worte und Verſprechungen eines Mannes verlaſſen?⸗
„Dieß iſt mir eine ſehr kitzlige Frage, mein Kind,“ erwiderte die Profeſſorin heiter.„Die Männer⸗ ſo weit ich ſie wenigſtens zu beurtheilen Gelegenheit hatte, beſtehen aus wenigſtens zwanzig verſchiedenen Klaſſen; aber da ich jetzt dieſe nicht alle aufzählen kann, ſo will ich nur ein Paar anführen. Die erſte— und dieß iſt die gewöhnliche— beſteht aus einer Miſchung, wo Feuer und Waſſer beſtändig im Kampf mit einander liegen, und wechſelsweiſe die Oberhand bekommen. Wenn nun der Fall eintritt, daß die Worte und Verſprechun⸗ gen von ſo zuſammengeſetzten Männern, während der Flammenperiode abgegeben werden— d. h. wenn ihre Phantaſie einen zu hohen Flug genommen hat— dann hat man allen Grund zu befürchten, daß das Feuer dieſer Verſprechungen ſich von ſelbſt verzehren werde; geſchehen ſie dagegen zu einer Zeit, wo Dunſt und Feuchtigkeit das Gemüth umgeben, dann ſind ſie ſchon an ſich ſo wäſſerigt, daß ſie ſich auflöſen, ohne daß man nur merkt, wie.“
„Gut, Mama'chen! aber die zweite Klaſſe?“
„Die zweite, meine Tochter, iſt ganz anders. Das Feuer bei dieſen Adamsſöhnen iſt durch den Verſtand gemäßigt, der ſtets durch das Ganze fließt. Die Männer, welche zu dieſer Klaſſe gehören, erlauben ihrer Phantaſie keine ſo unmäßige Flüge, daß eine Waſſerperiode nachfolgen könnte. Ruhe und Kraft zeichnen ſie aus. Ihre Worte und Handlungen ſind


