Teil eines Werkes 
1.-3. Bändchen (1845)
Entstehung
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ſeiner Beweisgründe. Juliens ruhiger, klarer Blick traf den ſeinigen, und zugleich ſprachen ihre Lippen ein ſanftes:Stille, ſtille! ich will keine ſolche Ideen mehr von Dir hören.

Nun, es war nicht ſo ernſtlich gemeint, ſagte Leopold und küßte ſeiner Braut die Hand;ich wollte Wilhelm nur beweiſen, daß er Unrecht hatte, ſo in den Tag hinein zu ſchwatzen.

Und Du haſt erſt gar Nichts bewieſen, eiferte der Auditor,außer etwa, daß Du ſelbſt ſehr ſchöne Anlagen haſt, künftig einen der intereſſanteſten, eifer⸗ ſüchtigen Ehenarren abzugeben, an denen ſich ein libe⸗ raler Mann jemals ergötzt hat. Ich für meinen Theil erkläre offen, daß Roſa alle Huldigungen annehmen mag, die ihr auf eine anſtändige Art gewidmet wer⸗ den. Ich bin ſtolz darauf, ein Weib zu beſitzen, um das mich Andere beneiden.

Wir denken jetzt, wie ſchon oft, ganz verſchieden, fuhr Leopold fort.Mich reizen die Titel, die Du mir beilegſt, eben ſo wenig, als die Vorſicht auf eine derartige Beneidung deſſen, was mir zugehört. Ich wünſche im Gegenthei ein Weib ſo ganz und gar für mich ſelbſt zu behalten, daß ich es zufrieden wäre, wenn ihr die ganze übrige Welt auch nicht einen ein⸗ zigen Blick ſchenken würde.

Obſchon frei von aller Koketterie meinte Julie doch, daß ihr Geliebter ſeinen Satz etwas zu weit getrieben habe. Sie widerſprach ihm jedoch nicht, viel⸗ leicht weil ſie eine Saite zu berühren fürchtete, von der ihr Gefühl ihr ſagte, daß ſie nur einen Mißton hervorbringen würde. Juliens Verſtand wurde nicht vergebens geprieſen, und ſie trug kein Verlangen, als Braut eine Gewalt auszuüben, welche mit dem Namen Gattin möglicher Weiſe aufhören und dann nur um ſo ſchmerzlicher vermißt werden würde. Viel⸗ leicht dachte ſie auch, daß ſie die weiſen Worte des Dichters:

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