Teil eines Werkes 
1.-3. Bändchen (1845)
Entstehung
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Stadt losgemacht hatten, um ein Paar Tage auf dem ſchönen Hillinge zuzubringen.

An einem dieſer Abende, zwei Monate vor dem feſtgeſetzten gemeinſchaftlichen Hochzeittage iſt es, daß wir ſie unter dem Sonnendache verſammelt ſehen. Die Haſt ihrer Bewegungen und die Wärme auf ihren Wangen bewieſen, daß die Unterhaltung ſehr eifrig war.

Ja, ſo ſagen alle Männer, ohne die Wichtigkeit ihrer Worte zu bedenken, ſprach die lebhafte Roſa, während ſie ihren Strumpf auf den Schooß nieder⸗ ſinken ließ und ihrem Bräutigam, dem Auditor Wil⸗ helm L., einen leichten Schlag mit der Garndocke gab, welche ſie in der Hand hielt.

Nicht alle, mein Engel, erwiderte Wilhelm und bemächtigte ſich ohne beſondern Widerſtand der kleinen ſtrafenden Hand, nicht alle, meine Liebe! Ich z. B. denn ich kenne mich hinlänglich kann mit voller und tiefer Ueberzeugung verſichern, daß ich Dich mehr liebe, als mein eigenes Ich, und daß ich mir keine Zeit, keine Verhältniſſe, keine Umſtände denken kann, wo ich meiner Liebe bar werden würde. Ich liebe grän⸗ zenlos, denn ich liebe für Zeit und Ewigkeit! NRoſa lächelte; ein zauberiſches Lächeln halb Mißtrauen, halb Wehmuth! Aber der Landeskämme⸗ rer Leopold T., des Auditors künftiger Schwager, rief beinahe barſch aus:Es wird mir ganz weh', wenn ich ſolche Thorheiten mit anhören muß! Man ſoll nichts auf der Welt verſchwören. Niemand kann für ſein Herz ſtehen, wenn eine Menge unbekannter Verhält⸗ niſſe eintreten. Ich habe gewiß Julie ſehr lieb, wie ein Mann ſeine künftige Gattin nur haben kann, aber deßwegen kann ich mir doch Umſtände denken, die meine Gefühle abzukühlen vermöchten. Wenn ich z. B. ſähe was ich, ſo Gott will, nie ſehen werde daß Julie eine zu Froßr Aufmerkſamkeit bei der Huldigung eines andern Mannes an den Tag legte, oder.. Weiter kam Leopold nicht in dieſer Entwicklung