Druckschrift 
Der Stellvertreter : ein humoristisches Familiengemälde ; fünf Theile / von Emilie Flygare-Carlén
Entstehung
Einzelbild herunterladen

42⁴ ten ſte ja in einer täglichen Hölle. Höre, mein kleines Mütter⸗ chen, Du mußt mir Deine Mitwirkung bei einem Plane verſprechen, den ich Dir ſogleich auseinanderſetzen will.

Nun laß hören, beſter Alexander, Du kannſt ver⸗ muthlich nichts begehren, das ich nicht mit Vergnügen bewillige.Wie geſagt, fuhr der Rittmeiſter fort, ich moͤchte gerne dem Alten einen kleinen Verdruß ma⸗ chen, zur Strafe für ſeinen ehelichen Deſpotismus. Da⸗ zu weiß ich kein beſſeres Mittel, als wenn ich ihm zu hören gebe, wie ſich ein Weib ganz beſtimmt gegen die Anſicht ihres Mannes erklärt und dabei bleibt, unge⸗ achtet er beſcheidene Einwendungen dagegen macht. Kurz, beſte Auguſte, wir müſſen irgend einen Gegenſtand wäh⸗ len, und Du mußt mir geloben, mir tapfer darin zu widerſprechen.

Aber, mein Freund, das iſt ein gar ſonderbares Begehren, und ich weiß nicht, wie ich es erfüllen kann, ſagte Auguſte ſromm,ich, die ich jetzt ein ganzes glück⸗ ſeliges Jahr an der Hand der Liebe und des Vertrauens gewandelt bin, ich zittere und bebe bei dem bloßen Ge⸗ danken an das Zornesauge meines Vaters und ſeinen brüllenden Ton, was ohne Zweifel nicht ausbleiben würde, wenn er ſo etwas von mir hörte!

Nein, das würde es nicht, das glaub' ich eben⸗ falls, ſagte der Rittmeiſter;aber das würde gerade ſehr gut thun; denn er bekäme dann Gelegenheit, durch das präch e Vergrößerungsglas der eigenen Erfahrung wahrzu ten, welchen Schatz er beſitzt. Er muß ein⸗ mal ei n, daß das Weib etwas Beſſeres iſt und ſeyn muß, eine Sklavin der Launen des Mannes; und unmögli, kannſt Du Dich fürchten, da Du jeden Augen⸗ blick mich neben Dir haſt.

Ja, das wäre Alles ſchon recht, mein Alexander, erwiederte Auguſte, der es offenbar bei dem Vorſchlag nicht recht wohl war;aber ich fürchte, die Rolle möchte mir nicht gelingen. Wie kann ich es über mich vermö⸗

1