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Der Stellvertreter : ein humoristisches Familiengemälde ; fünf Theile / von Emilie Flygare-Carlén
Entstehung
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422 gegenſeitiges Vertrauen, jemehr ſie einander kennen lern⸗ ten, und ſie dankten innig Gott für ihr ſtilles Glück.

Dieſes einzige Jahr hatte den Lieutenant Sterner ſehr verändert. Ein täglicher Umgang in dem gebildeten Hauſe des Rittmeiſters, die edlen perſönlichen Eigen⸗ ſchaften deſſelben, die immer eine Richtſchnur für Con⸗ ſtantin waren; das anmuthige ſanfte Weſen ſeiner Braut und ihre anſpruchsloſen aber feinen Gaben im Umgang, die ſo himmelweit von Henriette von Stolzenbecks gefall⸗ ſüchtigem und kindiſch gaukelhaftem Weſen verſchieden waren; alles das, verbunden mit dem Einfluß, den man der Liebe zuſchreibt, hatten die Schmetterlingsnatur des Jünglings verändert und ihm die Haltung und Würde des geſetzten Mannes gegeben.

Der Rittmeiſter hatte ſeinem Schwiegervater ge⸗ ſchrieben, um ihn zu vermögen in Geſellſchaft ſeiner Frau nach Sorrby zu kommen, und bei der doppelten Feſtlichkeit, die man zu feiern hoffte, zugegen zu ſeyn: bei Conſtantins Vermählung nämlich und der Ankunſt eines neuen Weltbürgers. Als die Herren von Wal⸗ laryd zurückkamen, erwartete den Rittmeiſter folgender Brief:Hochgeehrter, lieber Bruder und Schwieger⸗ ſohn!Das Schreiben des Herrn Bruders vom zehnten Auguſt habe ich mit Vergnügen erhalten, und danke für die Einladung. Obſchon ich ſeit fünfzehn Jah⸗ ren nicht von L. weggeweſen bin, ſo kann ich es doch nicht unterlaſſen, der Hochzeit meines ehemals zu⸗ gedachten Schwiegerſohns beizuwohnen; denn ich hege für ihn noch immer ein gewiſſes Wohlwollen, und wünſche ihm alles Gute. Es mag auch hübſch mit anzuſehen ſeyn, wie ſich Auguſte in ihrem Haus herumtreibt, und wie ſie ſich als Frau zu benehmen weiß. Der Herr Bruder muß im Anfang die Zügel nicht zu loſe laſſen; denn wer das thut, hat nachher verdammt ſchwer anzu⸗ halten. Je kürzer deſto beſſer; das war immer mein Grundſatz, und dabei hab ich mich wohl befunden.