31 mente ſo hoch geprieſen werde, welche Veranlaſſung das
für Rudolphs Erben ſo nachtheilige Zuſammentreffen zwi⸗
ſchen dieſem und jenem herbeigeführt habe n. ſ. f.; aber
der Poſtinſpektor fühlte, daß ſie leider aufgeſchoben werden mußten; denn bei all' ſeiner Herzlichkeit und ſeinem an⸗
genehmen Weſen beſaß doch der Rittmeiſter ein gewiſſes
Etwas, das in einem ſolchen Grad Achtung gebot, daß
der Poſtinſpektor es nicht wagte, Fragen zu ſtellen, die eine längere und vertraulichere Bekanntſchaft vorausſetzten. Er nahm Abſchied und ging. Als der Poſtinſpektor ſich entfernt hatte, fing der Rittmeiſter wieder ſeine Wande⸗ rung durch das Zimmer an, die nicht eher aufhörte, als bis Weſterlind eintrat und den Rittmeiſter berichtete, es ſey ihm gelungen, die gewünſchte Wohnung zu bekommen. Sie ſtehe bereit, ſo daß er noch dieſen Abend einziehen könne, wenn er es wünſche.
. 6. Muſtkaliſche Soirée.— Ein kaltes Bad.
Naß wie eine Dohle. Ein altes Sprüchwort.
Wäahrend der Poſtinſpektor ſeinen Beſuch bei dem
Rittmeiſter machte, waren ſeine Frauenzimmer mit nicht minder wichtigen Dingen beſchäftigt. Frau v. Spalden zog ihre Tochter über die höchſt wichtige Frage zu Rath, wie man es anzuſtellen habe, um auf kommenden Abend eine für die Gelegenheit paſſende Mahlzeit herzubekom⸗ men;„denn, ſiehſt Du, liebes Kind, das würde ſich ſonſt gar zu ſchlecht ausnehmen,“ meinte die Mutter.
„Gott ſey Dank,“ ſagte Auguſte,„daß der Bürger⸗ meiſter dem Vater mit Geld aushalf, da wird es leicht ſeyn, die Sache ins Reine zu bringen.“ 3
„Aber, lieber Gott,“ ſeufzte die Mutter, indem ſie ſich im Zimmer umſah, und den Kopf ſchüttelte,„hier ſieht es doch gar zu traurig aus; aber dem iſt nicht abzuhelfen, denn ich bin ſicher, daß er kommt. Du mußt


