- 29. Nach einem kurzen Nachſinnen ſprach Sterner: „Weſterlind, Du mußt Dir Mühe geben, meinen Wunſch zu erfüllen. In der Straße, deren Hintergebäude gegen
die genannte Gaſſe zu liegen, wirſt Du vielleicht ſo gluͤck⸗
lich ſeyn, ein paſſendes Lokal ausfindig zu machen. Sieh', da haſt Du einen Reichsthaler, Du magſt Dir damit gütlich thun, wenn Du zurückkommſt.“— Der Rittmeiſter gab ihm mit der Hand ein Zeichen, abzugehen, und Weſter⸗ lind murmelte bei ſich, als er die Treppen herabging: „Das iſt leicht zu begreifen; das verſteht ſich von ſelbſt, ein ſolcher Herr will Niemand merken laſſen, daß er mit
ſolchem Lumpenvolk umgeht.“
Kaum war die Thüre geſchloſſen, als Sterner das Buch weit hinwegwarf, das Zimmer mit großen Schritten durchmaß, eine Melodie aus Fra Diavolo pfiff⸗ die bis⸗ weilen durch ein:„Verwünſcht! purer Hochmuth! ſchlim⸗ mes Zeichen!“ unterbrochen wurde und ſo weiter.
Um fünf Uhr wurde der Poſtinſpektor v. Spalden angemeldet.„Er iſt willkommen,“ ſagte der Rittmeiſter zu dem Kellner, und ging unſrem guten Poſtinſpektor entgegen, der wohl rafirt und geputzt, und den ſchwarzen Frack mit beſonderem Fleiß ausgebürſtet, in das Zimmer trat. Unter mehrfachen Verbeugungen und Artigkeiten beklagte der Poſtinſpektor, daß er für gegenwärtig bei dem beſten Willen ſich nicht im Stande ſehe, ſeinen geehrten Gaſt zu empfangen, daß er aber hoffe, in Kur⸗ zem dies thun zu können.
„Ei, behüte der Himmel,“ erwiederte Sterner mit einem freundlichen Lächeln,„bedenken Sie, mein beſter Herr v. Spalden, daß ich den Freier Ihrer Tochter vor⸗ ſtelle; bei mir braucht es alſo durchaus keine Kompli⸗ mente. Ich für meinen Theil lege nicht den geringſten Werth darauf, und mein Vetter Konſtantin thut es wahr⸗ ſcheinlich eben ſo wenig.“
„Sie ſind allzugütig, Herr Rittmeiſter, aber erlauben Sie mir, Sie zu verſichern, daß es mir in meiner gegen⸗ wärtigen Wohnung unmöglich iſt, Sie zu empfangen, in


