er vermuthete, daß er der Reiſepaß für die Sorgen und Widerwärtigkeiten des Lebens und eine Einladungskarte zu ſeinen Freuden und Annehmlichkeiten ſeyn werde, kann ſich eine richtige Vorſtellung von dem machen, was Frau v. Spalden in dieſem Augenblicke fühlte.—„Ge⸗ wiß will uns der gute Rudolph ein Scherflein von ſei⸗ nem Ueberfluſſe mittheilen,“ ſagte ſie bei ſich ſelbſt, und eilte mit beflügelten Schritten nach Hauſe, wo ſie wußte, daß ihr Mann mit der größten Ungeduld ihrer Zuruͤck⸗ kunft entgegenſah. „Nun, Alte, wie iſt es gegangen?“ rief der Poſt⸗ inſpektor, als ſeine Frau halbwegs die Treppe herauf war. „Vortrefflich, mein Lieber.“ Sie reichte ihm den Schatz mit freudeſtrahlendem Angeſichte hin.— „Auguſte— Kind— meine Brille!“ rief der Poſt⸗ inſpektor, und erbrach das Siegel mit zitternder Hand. Die drei Mitglieder der Familie wagten kaum Athem zu holen, als der Umſchlag endlich zu Boden fiel, und drei Papiere, aber weder Geld noch Wechſel, ihren forſchen⸗ den Blicken begegneten. Das eine von den Papieren war ein offenes Handſchreiben, das andere die Abſchrift eines Teſtamentes, und das dritte ein verſtegelter Brief an Au⸗ guſte. Als man ſich eine Weile ſtillſchweigend angeſehen hatte, wobei die Frauenzimmer ungeachtet ihrer eigenen Aufregung doch Gelegenheit hatten, zu bemerken, wie
das Geſicht des Poſtinſpektors um ein gutes länger wurde,
als gewöhnlich, eröffnete dieſer den erſten zuſammenge⸗ legten Brief. Er war von dem ſchwediſchen Konſul in Hamburg und enthielt die Nachricht, daß der verſtorbene Herr Rudolph v. Spalden kurz vor ſeinem Tode, der vor einem Monate erfolgt ſey, eine Summe von zehn⸗ tauſend Reichsthaler ſchwediſch Banko auf den Namen ſeines Bruders, des Poſtinſpektors Wilhelm v. Spalden bei den Herren Reis und Komp. daſelbſt deponirt habe, welche Summe zu erheben ſey, ſobald die gehörigen Zeug⸗ niſſe beigebracht würden, und aus der beigefügten Abſchrift des Teſtamentes werde erhellen, was weiter zu beobachten ſey.
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