Druckschrift 
Der Stellvertreter : ein humoristisches Familiengemälde ; fünf Theile / von Emilie Flygare-Carlén
Entstehung
Einzelbild herunterladen

kann. Es iſt unglücklicherweiſe ein unverbrüchlicher Vor⸗ ſatz von mir, nie ſolche Briefe auf Kredit abzugeben.

Aber, Herr Poſtmeiſter, Sie werden doch nicht an meinem Worte zweifeln?

Die Antwort darauf erſtarb beim Geräuſche der Diligence, die am Poſtkomptoir vorüberrollte, auf Herrn Wilsſons Lippen.

Halt! rief eine wohllautende Männerſtimme. Einen Augenblick darauf zog es an der Glocke, und ein Herr von hoher Geſtalt, edler Haltung und regelmäßig ſchönen Zügen trat in das Zimmer. Er ſchien in der erſten Blüthe und Kraft des Mannesalters zu ſtehen, und eine dunkle, ſonderbare Reiſetracht, die in unſerem Lande nicht gewöhnlich iſt, gab ihm ein gewiſſes, fremd⸗ artiges Ausſehen.

Sind Briefe hier an A. C. Sterner? fragte die⸗ ſelbe angenehme Stimme, die ſich eben hatte hören laſſen.

Der Poſtmeiſter zog verſchiedene, bei Seite gelegte

Briefe hervor, und ſagte:Dieſe ſind mit der heutigen Poſt angelangt. Die Adreſſe lautet: Sr. Wohlgeboren, dem Herrn Rittmeiſter A. C. Sterner; iſt das recht? Es hat ſeine Richtigkeit. Während der Fremde die empfangenen Briefe in einen Reiſeſack legte, nahte ſich die Poſtinſpektorin noch einmal Herrn Wilsſon, und bat ihn in beweglichem Tone, ihr ein Paar Tage Friſt zu gewähren.. Sie haben meine Antwort gehört, Frau v. Spalden, ſprach der Poſtmeiſter ſtolz;erlegen Sie zwei Reichsthaler zweiundzwanzig Schilling Banko, ſo erhalten Sie den Brief, oder Sie entſchuldigen, ich bin beſchäftigt. Der Fremde, der ſchon unter der Thüre war, wandte ſich raſch um. Der Name oder irgend etwas Anderes mußte ſeine Aufmerkſamkeit erweckt haben. Er ſchien

einige Augenblicke unſchlüſſig zu ſeyn, ging ſodann aber

mit einer ehrerbietigen Verbeugung auf Frau v. Spalden zu, welche, eben ſo ſehr von Wilsſons ſtolzem, unhöf⸗ lichem Tone, als der Weigerung ſelbſt verletzt, im Be⸗