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Der Skjutsjunge : ein Roman ; vier Theile / von Emilie Flygare-Carlén. Aus dem Schwed. übers. von Carl Stein
Entstehung
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ihn auf der nächſten Station in das Beſchwerdebuch ein⸗ zuſchreiben. Ich ſagte ihm denſelben und mit Feuer⸗ zügen ſteht der Auftritt, welcher nun folgte, in meinem Gedächtniſſe eingeſchrieben: niemals werde ich die Peitſchen⸗ hiebe und Ohrfeigen vergeſſen, welche ich von ihm erhielt. Und warum? Weil ich als Edelmann meinen Namen und mein Wappenſchild nicht beſſer in Ehren hielt und

ſie durch das niedrige Gewerbe eines Lohnfuhrmanns be⸗

ſchimpfte; es wäre wohl beſſer geweſen, Hunger zu ſterben, als ſich ſo auf ehrliche Art durchzubringen! Und es war ein Edelmann, der ſolche Lehren predigte; ein Edelmann war es, der ſich auf ſolche Weiſe ſelbſt be⸗

ſchimpfte! Die Erinnerung an jenen Vorfall regt mich zu hef⸗ tig auf, ich will nichts mehr weiter davon ſagen.

Genug am andern Morgen lag mein Schimmel todt im Stalle! Und ich, der ſich bisher wenig um den Unter⸗ ſchied zwiſchen einem Edelmann und einem Bauern be⸗ kümmert hatte, begann nach und nach über die Ungleich⸗ heit der Stände und deren Unterſchied nachzudenken, ſo daß ich bald zu dem Schluſſe kam, der mir nun zur innigſten Ueberzeugung geworden iſt, daß einzig und allein der Adel des Herzens mag dieſes nun unter einer Bauernjacke oder unter einem goldgeſtickten Rocke ſchlagen, den wahren Adel ausmacht; dieſes Wappen läßt ſich nicht mit Geld erkaufen. Dieſer Stammbaum bedarf keiner Hoferde, um zu wachſen, und keiner Hofſonne, um

zu gedeihen: denn ſeine Ahnen und Verdienſte ſind nicht

von dieſer Welt.

Ein Zufall hat mich zu dieſer Ueberzeugung ge⸗ bracht, und ich ſtrebte ein unabhängiger Mann zu wer⸗ den, um mich nachher von dem Stande loszuſagen, zu welchem mich ferner rechnen zu können, ich für keine große Ehre hielt, nachdem ich von einem Mitgliede deſ⸗ ſelben auf ſo brutale Weiſe behandelt worden war. Mein Streben glückte, und wenn ich auch im Ver⸗