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Der Skjutsjunge : ein Roman ; vier Theile / von Emilie Flygare-Carlén. Aus dem Schwed. übers. von Carl Stein
Entstehung
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Ohne Spielgenoſſen meines Alters verlebte ich die erſten vierzehn Jahre meines Lebens faſt in gänzlicher Einſamkeit in unſrer kleinen Waldhütte. Ich hatte ſtets wunderlichen Sinn, und erinnere mich noch wohl, wie ſich mein Herz vor Sehnſucht nach Etwas verzehrte, das ich in meiner Umgebung nicht fand und ebenſowenig zu nen⸗ nen wußte. Aber wenn es im Walde ſtürmte, da fühlte ich mich behaglich und glücklich, und wünſchte nichts, als eben ſo frei zu ſein als der Wind.

Während jener Epoche meines Lebens hatte ich einen innigſt geliebten Freund, einen Freund, mit dem ich ge⸗ treulich jeden Biſſen Brod theilte, der aber dafür wieder mit ebenſoviel Dankbarkeit an mir hing es war meines Vaters altes Roß, unſer treuer Schimmel. Nur wer ſelbſt arm iſt und mit Liebe an einem Thier hing, außer wel⸗ chem er Nichts ſein nennen konnte, vermag ſich eine rich⸗ tige Vorſtellung von dem zu machen, was der Schimmel mir war: er war das Einzige, was meine Eltern beſaßen und mir war er mein Alles, mein Geſellſchafter bei Tag und der Traum meiner Nächte.

Eines Abends der Vorfall ſteht mir noch ſo klar vor den Augen, als wenn es erſt geſtern geweſen wäre ſollte ich einen Courieroffizier fahren, der nach Norwegen reiste. Es war ein jähzorniger, ſtrenger Herr, mit dem ſich kein vernünftiges Wort reden ließ. Das Pferd war alt und heruntergekommen; da aber kein andres Pferd aufzutreiben war, mußte ich eben mit mei⸗ nem Schimmel dran, und es wäre auch wie gewöͤhnlich ohne Zweifel ganz gut gegangen, wenn nicht der Offizier ſo unmenſchlich auf das arme Thier losgeſchlagen hätte, daß es endlich vor Mattigkeit erlag. Ich fühlte jeden

Schlag, den der Schimmel bekam, in meinem Herzen.

Weder Bitten noch Vorſtellungen halfen: das arme Pferd wurde mit Peitſchenhieben aufgetrieben, um wieder hinzuſtürzen, und ſo ging es fort, bis der Reiſende, auf das Aeußerſte gebracht, nach meinem Namen fragte, um