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als ob von etwas ganz Anderm die Rede ſei, als von einem froͤhlichen„Tiſchrücken.“
Endlich knallten die Champagnerpfropfe, und Bor⸗ genſtierna brachte die Geſundheit ſeiner Schwiegereltern aus. Indeſſen merkte doch der Obriſtlieutenant, daß da⸗ mit noch nicht Alles abgethan war; er dankte, ſetzte ſein Glas nieder und wartete mit ſtiller Verwunderung, was wohl jetzt kommen würde.
Auf einige Augenblicke verfiel Alles wieder in das vorige Stillſchweigen. Bald aber erhob ſich Borgenſtierna zum zweiten Male, die Aufwartenden erhielten einen Wink, ſich zu entfernen, und da er gerade ſeinem Schwäher ge⸗ genüber ſtand, ſo war er es eigentlich, an den er einzig und allein ſeine Worte zu richten ſchien.
„Vor einer Stunde habe ich geſagt, daß wir auch zu Ehren der bürgerlichen Selbſtſtändigkeit unſer Glas erheben müßten. Der Grund zu dieſer Aufforderung, welche ich hiemit wiederhole, ſchreibt ſich von der Erin⸗ nerung an einen Vorfall her, welcher mit einer längſt verfloſſenen Zeit in Verbindung ſteht, mit einem Vorfall, der einen bedeutenden Einfluß auf mein ganzes Leben hatte, und die eigentliche Grundurſache zu dem Schritt iſt, den ich nunmehr einfach und offen der Beurtheilung vorzule⸗ gen im Begriffe bin.“
Der Obriſtlieutenant huſtete, machte aber keinen Ver⸗ ſuch, ihn zu unterbrechen. Borgenſtierna fuhr fort:
„Ich bin als Edelmann geboren, aber in der groͤß⸗ ten Dürftigkeit. Unter ehrlichen Bauern aufgewachſen, und gezwungen, gleich dem niedrigſten Taglöhner zu ar⸗ beiten, hatte ich nicht die geringſte Ahnung davon, daß mein Name oder der Adel meiner Voreltern durch ir⸗ gend eine Art von Arbeit, wodurch ich mir und den Mei⸗ nigen Brod ſchaffte, entehrt werden könnte— ſobald der Erwerbszweig nur ein ehrlicher war. Ich glaubte nicht, daß die adeliche Ebenbürtigkeit von einem mehr oder min⸗ der abgetragenen Rocke abhinge.


