Druckschrift 
Der Skjutsjunge : ein Roman ; vier Theile / von Emilie Flygare-Carlén. Aus dem Schwed. übers. von Carl Stein
Entstehung
Einzelbild herunterladen

339

loſe Nacht, und vielleicht Jahre vom Leben koſten. Wir, meine Amelie, machen uns Vertrauen zum unverbrüch⸗ lichen Geſetze, nicht zum Geſetze der Pflicht, ſondern der Liebe! Uns muß es ſtets Bedürfniß ſein, einander eben ſo hell und klar ins Herz ſehen zu können, wie ins Auge.

Amelie's warme Verſicherung, wie ſehr ſie ſeine Anſicht theile, mußte auf gelegenere Zeit aufgeſchoben werden, denn eben trat der Faktor zu ihnen. Er war ſeinem Gebieter entgegengetreten und der Erſte, welcher ihn mit ſeiner jungen Gemahlin auf ſeinem Grund und Boden bewillkommte.

Nachdem Borgenſtierna Herrn Berg, einen ſtattlichen Mann von mittlerem Alter, ſeine Gattin und ihre Eltern vorgeſtellt hatte, fragte er mit lebhaftem Intereſſe, ob Aſſeſſor Wirén noch nichts von ſich habe ſehen laſſen.

Noch nicht, Herr Patron; aber ich habe einen Brief von dem Herrn Aſſeſſor erhalten, daß die Herrſchaften Morgen Mittag hier ſein werden.

Der Titel:Herr Patron, klang dem Obriſtlieute⸗ nant gar lieblich in die Ohren.Das iſt doch wenig⸗ ſtens etwas! wiſperte er ſeiner Frau zu;und wenn Amelie nicht alles Gefühl für die Ehre und Würde ih⸗ rer Familie verloren hat, ſo wird ſie ſchon hinlänglich Schmeicheleien und Weiberliſt aufbieten, um ihn zu be⸗ wegen, ſeinem Röſtorp Fabrikprivilegien zu verſchaffen; dennmein Schwiegerſohn, der Fabrikherr, klingt jeden⸗ falls beſſer, als nur ein einfachesPatron!

Sowie Patron beſſer klingt als Gerbermeiſter, ſiel Frau von Dreſſen ein, und erlaubte ſich ſeit langer Zeit wieder einmal einen kleinen Scherz.

Der Obriſtlieutenant blickte ſeine Frau mit großen Augen an, ſagte aber nichts, denn ſie legte eben mit dem Ausdrucke größter Herzlichkeit ihre Hand auf ſeinen Arm, und zeigte auf das ſchöne Wohnhaus, ihres Kindes nun⸗ mehrige Heimath.