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Weſens hatte ſie doch großen Reſpekt vor ihrem Manne, und hütete ſich ihn ernſtlich zu erzürnen. Meiſter Brun war ein ſtiller, gerader Mann in ſeinem gewöhnlichen Leben, wurde er aber einmal böſe, ſo ließ ſich keineswegs mit ihm ſpaſſen.
Indeſſen machte das ewige Zanken und Brummen, daß Ivar ſich vornahm, ſobald er ausgelernt haben würde, in einer andern Gerberei einen Platz zu ſuchen. Er verehrte ſeinen alten Meiſter ſehr, und wußte nicht minder den Schatz hinter dem grauen Vorhang gebüh⸗ rend zu würdigen:— allein es gab noch etwas Ande⸗ res, was er noch höher ſchätzte,— Frieden und Har⸗ monie nach innen und außen. Man kann ſich kaum vorſtellen, bis zu welchem Grade Frau Bruns ewiges Ge⸗ kneife ihn peinigte. Er war zwar ein munterer, flinker Burſche, und nahm ſich einen Verweis nicht mehr als gebührendermaßen zu Herzen; allein es gibt Naturen, welche ſich niemals mit derartigen Hausdrachen vertragen oder befreunden können, während andere ſie hinnehmen, gleichſam wie das tägliche Brod. Jvar ſehnte ſich, und zwar von ganzem Herzen nach einem Orte, wo keine Katze und zänkiſche Frau war.
Unterdeſſen hatte ſeine moraliſche Entwickelung, ſo wie ſein Drang nach Belehrung eine beſſere Richtung genommen, ſeit er in ſeinem ſechszehnten Jahr confir⸗ mirt worden war. Während jener Zeit war er in nähere Bekanntſchaft mit einem ſeiner Schulkameraden getreten, welcher aus der niedern Schule in Kurzem in das Gymnaſium vorrücken ſollte. Dieſer lieh ihm öfters von ſeinen Büchern, und bald hatte der Drang nach beſſerer und nützlicherer Belehrung den Wuſt von ver⸗ worrenen dunkeln Ideen, welche die Folge ſeiner frü⸗ hern Lektüre geweſen waren, verdrängt. Mit eben ſo großem Eifer als er die Mythen der Sagenwelt ver⸗ ſchlungen hatte, ſtudirte er jetzt Geſchichte und Erdbe⸗
ſchreibung, und kritzelte ſich ſogar mit Kreide auf ein


