mußte ich erfahren, daß ein Mädchen, auf welches ich längſt ein Auge gehabt hatte, mir den Rücken wandte, und ſagen ließ, daß ſie einen ſo ſchlechten Kerl wie ich einer ſei, nie die Hand reichen werde.
Hier hielt Chriſtoph inne. Bei den letzten Worten hörte man es ſeiner Stimme an, daß heute noch bei der Erinnerung an jene Zeiten eine gewaltige Bewegung in ſeinem Innern vorging, und es verſtrichen einige Augen⸗ blicke, ehe er mit feſterem Tone wieder fortzufahren ver⸗ mochte:„Ich habe dir dieß nicht früher mittheilen wol⸗ len; allein jetzt wäre es Sünde geweſen zu ſchweigen, da du ja ſelbſt Neigung zeigſt, mit Gewehr und Uniform einher zu ſtolzieren. Du ſollſt aber noch weiter hören, daß es mit den bisherigen kränkenden Erfahrungen noch bei weitem nicht am Ende war. Nein, bei meiner Heimkehr fand ich auch mein Gut aus Mangel an Auf⸗ ſicht faſt zu Grunde gerichtet und nicht eine Garbe in der Scheuer. Um es nun wieder gehörig beſtellen zu können, mußte ich mich in bedeutende Schulden ſtürzen, und da der Herr mich noch überdieß für meinen Ueber⸗ muth, in fremden Landen Ehre gewinnen zu wollen, was mir freilich nie gelang— zuerſt durch eine Mißerndte, dann durch eine Viehſeuche nach der andern ſtrafte, war ich außer Stand zu bezahlen, und mußte mit Einem Male, nachdem ich mir eilf Jahre alle mögliche Mühe umſonſt gegeben hatte, Alles in andere Hände übergeben ſehen, denn die Schulden waren über den Kopf gewachſen und wir nicht länger im Stande uns zu halten, obgleich ich und die Mutter, welche ich ſeither geheirathet hatte, wie Sklaven gearbeitet hatten.“
Als Chriſtoph ſchwieg, trat Ivar zu ihm, und ſein ganzes Weſen drückte ſowohl Gehorſam und Ergebenheit, als auch die innigſte Theilnahme an dem ſo eben Gehör⸗ ten aus.
„Vater,“ begann er feierlich,„ich habe euch ver⸗ ſtanden; zwar kann ich nicht läugnen, daß ich wohl zu⸗
weilen daran gedacht habe, Soldat zu werden, wo ich
4
AAASAOA=SS—


