22 III.
Der Schimmel. G
So befand ſich nun unſer Held mit ſeinem abge⸗ triebenen Kameraden in finſterer Nacht auf der offenen Landſtraße, eine gute Meile vom Hauſe entfernt. Noch brannten die erhaltenen Ohrfeigen auf ſeinen glühenden Wangen, und gerade dieſe eben erlebte Scene verbannte ſo ſehr alle andern Gedanken in ihm, daß eine ziemliche Weile verging, ehe Ivar fühlte, wie der Schimmel ſich
an ſeiner Schulter mit dem Kopfe rieb, gleichſam als wolle er ihn mahnen, ſeinen ältern und beſſern Freund nicht über der neuen und gewaltthätigen Bekanntſchaft zu vergeſſen...
„Du haſt recht, armer Schimmel,“ ſagte Jvar, welcher inſtinktmäßig den erhaltenen Wink verſtand. „Ich wäre ein rechter Narr, wenn ich dich die ſchimpf⸗ liche Behandlung entgelten laſſen wollte, welche der heilloſe Edelmann uns Beiden angethan. Tröſte dich, mein Schimmel, hier haſt du Etwas.“ Jvar zog den Brodkuchen hervor, und ließ ſeinen Liebling Biſſen um Biſſen aus der Hand freſſen, führte ihn dann zu einem kleinen Bache in der Nähe, und ſah mit Vergnügen, wie das erfriſchende Waſſer das abgetriebene Thier zu erquicken ſchien.—
Nachdem er noch eine halbe Stunde lang ſeinem Roſſe alle Hülfe hatte angedeihen laſſen, welche Zeit und Umſtände erlaubten, ergriff Ivar die Zügel, und neben dem Thiere hergehend, ſchritten Beide langſamen Schrittes vorwärts, während der Knabe nach alter Ge⸗ wohnheit noch mit ſeinem greiſen Vertrauen die herge⸗ brachte Unterhaltung führte.
„Nun, Schimmel, heute haben wir etwas Ordent⸗ liches durchgemacht! Gelt, mehr ſolche Fahrten würden dir nicht gefallen?— Mir auch nicht;— da ſollte es
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