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Hitze des Offiziers in völlige Raſerei über, und nach⸗ dem er fruchtlos ſeine Kräfte an dem Thiere erſchöpft und dazwiſchen auf den Sturm geflucht hatte, welcher ihm fortwährend Sand und Koth in die Augen blies, fuhr er über Ivar mit einem Tone her, welcher nichts weniger als Gutes erwarten ließ:
„Wie heißt du, Canaille? Für dieſe Fahrt ſollſt dn mir büßen!“
„Ich heiße Jvar Borgenſtierna,“ antwortete der Junge, und ſeine Stimme zitterte vor heftiger Aufre⸗ gung. Er würde gern Tagelang Hunger gelitten haben, wenn er nur mit ſeinem Schimmel wohlbehalten daheim geweſen wäre; und ſo wenig es auch ſonſt ſeine Sache war, durch Thränen ſeinen Gefühlen Luft zu machen, konnte er doch nicht verhindern, daß ein paar heiße Tropfen über ſeine Wangen rannen, als er ſeinen treuen geliebten Kameraden daliegen und vergeblich ſeine er⸗ ſchöpften Kräfte anſtrengen ſah, ſich unter dem Druck des Fuhrwerks emporzuarbeiten.
„Wie heißt du, Schlingel, noch ein Mal!“ rief der Offizier mit einem Tone, in welchem Erſtaunen lag. „Ich ſag es ja, Ivar Borgenſtierna heiße ich.“
„Borgenſtierna? Du biſt ein Edelmann, du Schlingel, und ſchämſt dich nicht, dein Wappenſchild durch ein ſolches Leben zu beſudeln, und dich gleich einem elenden Bauerntölpel auf den Landſtraßen als Fuhrknecht brauchen zu laſſen? Auf Ehre, ſo etwas iſt mir noch nicht vorgekommen! Wenn denn nicht Ein Tropfen Blut in deinen Adern fließt, welcher ſich gegen eine ſo niederträchtige Dienſtbarkeit empört, ſo will ich ihn zu er⸗ wecken ſtreben!“ Bei dieſen Worten gab der hitzige junge Mann dem unſchuldigen Knaben ein paar tüchtige Ohr⸗ feigen, welchen ſchnell noch einige Peitſchenhiebe folgten.
Jvarn ſchwollen die Adern von bisher unbekannten ſonderbaren Gefühlen, welche jetzt gewaltſam auf ihn einſtürmten. Die Schläge, welche er bekommen, ſchmerz⸗ ten ihn weit weniger, als die Schmach, ſich ſo behan⸗


