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Rolle einer vornehmen Dame zu ſpielen. Außer der Röthe auf ihrer Wange hatte ja gar nichts verrathen, daß ſie ſich ein ganzes Jahr lang beinahe als die Ver⸗ lobte des Grafen C—creutz betrachtet hatte.
Hätte der Graf ſelbſt gewußt, daß er eines ſo in⸗ tereſſanten Privilegiums genoſſen, nämlich an zwei ver⸗ ſchiedenen Orten verlobt zu ſein, ſo hätte er vielleicht über der neuen Flamme ſeine alte vergeſſen.
Auch Blenda glaubte(um die Wahrheit zu geſtehen) etwas dergleichen, denn ſowohl als er ſie zu Tiſche führte, als auch da er ihr zu der erſten Francaiſe die Hand reichte— natürlicher Weiſe wurde der Ball von dem Bräutigam mit der Braut eröffnet— hatten ſeine Augen eine bewunderungswürdige Beredtheit, und jedes⸗ mal, wenn er dem Wirthe Glück wünſchte, ſeufzte er vor der Wirthin. 4
Die Huldigung des Grafen war nicht ſo unverdeckt, daß ſie nicht von Allen bemerkt wurde, und beſonders von der ſtolzen, glückſeligen Frau Emerentia, welche— geputzt, wie ſie es in ihrem Leben noch nicht geweſen war, mit einer ſchwankenden Feder im Turbane— im Sopha ſaß und orirte.
Die bevorſtehende Sochzeit des gräflichen Ex⸗Schwie⸗ gerſohnes verſöhnte ſie mehr denn alles Uebrige mit dem bürgerlichen Schwiegerſohne, den ſie erhalten hatte, und unendlich ſtieg dieſer an„Werth,“ als ſie hörte, wie er ſpäterhin am Abende den Grafen mit„Du“ an⸗ redete. Da ſpreizte ſie ſich auf eine einnehmende Weiſe und flüſterte bald ihrer Nachbarin zur Rechten, bald der zur Linken zu, daß ihr Schwiegerſohn und Graf C—ereutz „außerordentlich intim“ wären.........
Als das Geräuſch und die Beſchwerden des Tages vorüber waren, das heißt: bei dem Aufgange der Sonne am folgenden Morgen, denn erſt um vieß Zeit rollte der letzte Wagen hinweg, befragte Jean ſeine Gattin
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