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Sie ſaß in einem Kreiſe von munteren Frauen und führte das Geſpräch ſo ungenirt, als wäre ſie unter lauter alten Bekannten, als ihr Gatte mit einem jungen Manne eintrat, der es mit Grund verdient haben würde, ſchön genannt zu werden, wenn nicht der„leidende“ Aus⸗ druck in ſeinem Geſichte zu erkennen gegeben hätte, daß die etwas gelbliche Farbe nicht eine Farbe der Geſund⸗ heit war.
Eine freie und„diſtinguirte“ Haltung zeichnete übri⸗ gens dieſen Mann aus, der mit einem lebhaften Blick ſich der jungen Wirthin nahte.
Blenda erbob ſich.
Keine einzige Ahnung durchflog ſie, aber ſie konntee ſich nicht enthalten, bis über die Schläfe hinauf zu er⸗ röthen, als Jean ſagte:
„Meine liebe Blenda! erlaube, daß ich Dich dem Herrn Grafen von C-—ereutz präſentire! Du haſt Ur⸗ ſache, Dir über die Anweſenheit des Herrn Grafen Glück zu wünſchen, denn um heute Abend einen Tanz mit Dir tanzen zu können, hat er die Reiſe zu ſeinem eigenen Hochzeitfeſte einen Tag aufgeſchoben.“
„Es wäre ein Gewinn für mich,“ fiel der Graf ein,„wenn ich mich rühmen dürfte, eine Aufopferunge gemacht zu haben! doch wenn es möglich wäre, hier gleich bei der erſten Bekanntſchaft zu beichten, ſo würde ich ſagen, daß mein eigenes Intereſſe bei der Einladung des Herrn Blücher allzu groß war, als daß meine Ein⸗ willigung für eine Aufopferung gelten könnte.“
„Ich nehme ſie inzwiſchen als eine ſolche an, damit ich ein um ſo größeres Recht erhalte, dem Herrn Grafen für ſeine Artigkeit danken zu können; aber ich würde untröſtlich ſein, wenn der Herr Graf nicht auf der Reiſe die verſäumte Zeit wieder nachholte!“
„Wie ſo, meine Gnädige?“.
„Kann man ſo fragen, wenn man zu ſeiner eigenen Hochzeit reist? Die ſchöne Braut des Herrn Grafen
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