Druckschrift 
Die Romanheldin : Novelle / von Emilie Flygare-Carlén. Aus dem Schwed. von C. F. Frisch
Entstehung
Einzelbild herunterladen

370

Die Wirklichkeit blickte von allen Seiten herein auf die bedrängte Frau, welche ſich nun unter tiefen Seufzern ganz erhob.

Wie ſteht's wohl jetzt? fragte ſie ſich ſelbſt.

Mit einer Anwandlung von heldenmüthiger Reſig⸗ nation, blickte ſie von Neuem in die ſtille Kammer.

Und als ſie nun den glücklichen jungen Mann mit einem Antlitze, das von dem heiligen und glühen⸗ den Gefühle, das ihn belebte, doppelt verſchönert war zu Blenda's Füßen ſitzen und mit tauſend Hoffnungen in ſeinen Augen zu ihr hinaufblicken ſah als ſie Blenda ſelbſt, herrlich wie eine überirdiſche Erſchei⸗ nung, verklärt durch das Myſterium der Liebe, zu ihm hinabblicken ſah da dachte ſie von Neuem und ernſtlicher an die ſelige Regine Sophie, und wie dieſe mit Wohlwollen und Liebe ihre armen Anverwandten aufgenommen, ihnen Gutes gethan und noch in ihrem

letzten Augenblicke von Herz und Seele gewünſcht hatte,

daß ihr Sohn mit Derjenigen vereinigt werden möchte, welche ſie ſchon als ihre Tochter liebte.

Nachdem es mit der Frau Emerentia erſt ſo weit gekommen war, wurde der Kampf leicht, denn in der Seele dieſer ehrenwerthen Frau lag eben ſo viele reine Güte, als Ueberfluß an Schwäche.

Zwar ſeufzte ſie, da ſie an den Baron dachte und den letzten Gedanken auf das Fideicommiß und auf das freiherrliche Wappen zurückwarf das wäre ein ſchö⸗ ner Anblick geweſen! Aber weit ſchöner war dennoch die Vorſtellung, wie Regine Sophie auf die Erde her⸗ abblickte und ihrer Schweſter, ihrer theuren Eme⸗ rentia, dankte, daß dieſe durch ihre große Aufopferung tauſend Mal das genoſſene Gute vergolten hatte.

In Gottes Namen denn! flüſterte unſere Frau, indem ſie mannhaft die letzte Thräne verſchluckte.

Da ſie jedoch in Begriff war, die Thür zu öffnen, kam plötzlich ein neuer Anfall von Schwäche über ſie. Ach, hätte ich meinen Willen bekommen, haäͤtte