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keit wahr ſein könnte— ſo verliert ſie in den Augen dieſes romantiſchen Grafen ihren vornehmſten Reiz, nämlich ihn in allen Geſtalten zu lieben. Möchte ſie ſich vor der Schlinge hüten!... Mit ihrer geringen Welterfahrung und bei ihrer heftigen Bewegung könnte es leicht möglich ſein, daß ſie dieſelbe nicht ſähe.“
Nun aber folgte ganz proſaiſch drinnen der eine Beweis nach dem andern, und Alles ſo klar, ſo deut⸗ lich, daß ſogar die ſelige Großmutter, wenn ſie der⸗ gleichen gehört hätte, mit aller ihre weltbekannten Weis⸗ heit nichts Anderes, als die reine Wahrheit hätte ent⸗ decken können.
Frau Emerentia wurde bald roth, bald blaß; in dem einen Augenblicke zitterte ſie vor Kälte, in dem andern brannte ſie von einer unerträglichen Fieberhitze, und mit jedem Wechſel erhielt ſie eine erneuerte Ueber⸗ zeugung, daß ihr und ihrer Tochter, zweien ehrenwer⸗ then und edlen adligen Damen, der ärgſte, ehrenrüh⸗ rendſte und unglückſeligſte Poſſen geſpielt worden wäͤre, dem jemals ein Weib ausgeſetzt geweſen von dem grauen⸗ vollen Tage an, da die Schlange der Eva ihren nie⸗ drigen Poſſen ſpielte.
„Ha!“ murmelte ſie mit gewaltigen Geſten, während bald ihr Ohr und bald ihr Auge am Schlüſſelloche ruhte,„ha, unwürdiger Sohn der würdigſten Mutter! ha, junger Mann, der den letzten Funken ſeiner Ehre verloren hat, bedauernswürdiger, von der Leidenſchaft
verwirrter Jüngling, der durch ſeine Liebe ein Ver⸗
brecher geworden iſt— hier gibt es keine Verzeihung... keine Verzeihung! Gelobt ſei der Himmel, daß uns noch der Baron bleibt, dieſer wahre Typus der Ehre und der Würde!... Vergib mir, geliebte Schweſter Regine Sophie!... ich kann nicht! Meine Tochter ſoll eine Freiherrin werden, ſoll auf dem großen Fidei⸗
commiß herrſchen und Geſellſchaften annehmen in einem
Salon, worin zwei ſolche wie dieſer, Raum finden können!“


