Druckschrift 
Die Romanheldin : Novelle / von Emilie Flygare-Carlén. Aus dem Schwed. von C. F. Frisch
Entstehung
Einzelbild herunterladen

353

ſeinen tiefen und langen Lindenalleen. Der See bil⸗ dete den Vordergrund, und zu demſelben hinab führte ein abhängiger Treppengang mit einem gewölbten Dache ein ſehr duftiges Dach nämlich, zuſammengewebt aus weißen und violetten Syringen, deren Blumen an⸗ muthig aus dem ſaftigen Grün der Blätter hervor⸗ blickten.*)

Ach, ſeufzte Blenda, doch dieſer Seufzer blieb in ihrem Herzenwer doch hier wohnte!

Als ſie in die Wohnung kamen das Haus war nicht ſo groß, daß man von mehr als einer Wohnung reden konnte, obgleich ſich dort auch noch Giebelzimmer fanden, die als Gaſtzimmer benutzt wurden alſo: als ſie in die Wohnung kamen, ſo begannen unſere Damen auf die gewöhnliche Art der Reiſenden Alles zu prüfen, von dem Fußboden bis auf die Decke.

Frau Emerentia, welche ihr Erſtaunen am liebſten geſpart hätte, bis ſie etwas Eigenes ſehen konnte, war dennoch gezwungen, zu erklären, ſie hätte noch nie ein Privathaus ſo prächtig möblirt geſehen.

Und Blenda konnte gar nicht begreifen, wie es möglich wäre, Alles ſo geſchmackvoll zu haben; denn es war nicht die Pracht nein, hier war keine ſo un⸗ gewöhnliche Pracht und eben ſo ſchöne Sachen waren bei ſehr Vielen zu finden ſondern es war der Ge⸗ ſchmack, welcher machte, daß Alles zu einander paßte und ſich dem Auge ſo ſchön darſtellte.

Aber dieſe ganze Wohnung beſteht nur aus acht oder neun Zimmern, ſagte Couſin Jean,und dieſer Salon, in welchem wir uns jetzt befinden, könnte wahr⸗

*) So wie dieſes, ſind faſt ſaͤmmtliche Güter in Schweden; das Wohnhaus im Garten oder im Parke, gewöhnlich an einem Landſee oder am Meere, die Wirthſchaftsgebäude ſeitwärts, gleich⸗ ſam verſteckt. Anm. d. Ueberſ.

Die Romanheldin. 23