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Die Romanheldin : Novelle / von Emilie Flygare-Carlén. Aus dem Schwed. von C. F. Frisch
Entstehung
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Nicht weit vor der Stadt hatte man aus dem Eßkober die letzte Mahlzeit gehalten, und da das Dampfſchiff nicht vor ſieben oder acht Uhr erwartet wurde, ſo hatte Frau von Kühlen die Zwiſchenzeit zum Aufkauf der Sachen beſtimmt, welche Blenda verſchönern und ihr ebenfalls ein wenig aufhelfen ſollten.

Was die Laune unſerer Damen an dieſem großen Wendepunkte betrifft, ſo müſſen wir der Wahrheit

gemäß geſtehen, daß dieſelbe bei keiner von Beiden ſo

farbenreich war, als damals, da wir ſie verließen— nicht daß die werthe Frau nur eine Sekunde daran gezweifelt hätte, daß am Ende Alles vortrefflich gehen würde, oder daß Blenda mit einer Art von Mißmuth dem unaufhörlichen Arbeitsleben, das ihrer wartete, entgegengeſehen hätte, denn dieſes würde gewiß von dem einen und dem andern unvorhergeſehenen Ereigniſſe unterbrochen werden; aber der Abſchied von dem Grabe des Gatten und Vaters, ſowie von der kleinen Heimath, in welcher ſie ſo lange glücklich gelebt hatte— im Verein mit dem ſeit der vorigen Nacht anhaltenden Sturm— die Gemüther herabgeſtimmt, beſonders da Beide nicht hoffen konnten, Heldinnen zur See zu ſein.

Der Reichstagsmann hatte ſeinen alten Nachba⸗ rinnen vorgeſchlagen, in ſeinem bekannten Qnartiere einzukehren; doch Frau Emerentia war allzu beſorgt um ihre Würde, als daß ſie in dergleichen hätte willi⸗ gen können.

Eine adelige Dame, die mit ihrer Tochter aus einer gemeinen Kneipe kam— unmöglich! Hätte die Geſellſchaft auf dem Dampfſchiffe ſo eitwas geſehen, ſo hätte ja Niemand vor den neuen Gäſten aufſtehen wollen.. Nein, es mußte heißen, ſie hätten im„großen Wirthshauſe“ gewohnt, und eine Taſſe Kaffee, die man der Schande wegen nahm, war Alles, was nothwendig war. Das Zimmer koſtete nichts, hatte der Commiſſar geſagt, wenn man nicht darin ſchlief.