Druckschrift 
Die Romanheldin : Novelle / von Emilie Flygare-Carlén. Aus dem Schwed. von C. F. Frisch
Entstehung
Einzelbild herunterladen

22

unter dem Arme hinauf in die Burg der Agnes, um von den Heldenthaten des Ritters Egbert Montabor zu ſingen: dieſer Geſang ſollte Agnes dazu vermögen, ſich zu verrathen, wodurch Bertha ſelbſt ſehen und beur⸗ theilen könnte, ob das Gerücht die Wahrheit ſagte, wenn es erzählte, daß Egbert, ihr Verlobter, ſich in die Tochter der Wittwe verliebt hätte, deren Gerechtſame er von Bertha dazu aufgefordert zu vertheidigen in den Kampf gezogen war.

Ach, ſagte Blenda zu ſich ſelbſt,ſie ſind beide ſo beneidenswürdig, daß ich nicht weiß, welche von ihnen ich ſein möchte.., vielleicht dennoch Agnes, fuhr ſie erröthend fort;aber nicht ſo taubenähnlich. (Agnes wurde zuletzt die Gattin des Ritters Montabor.)

Wenn aber in der Stunde der Dämmerung das Klavier geöffnet wurde, dann wurde ſie wieder die frei⸗ müthige Bertha, welche in der Geſtalt des Troubadours die Burg der Agnes beſuchte und ſang:

Von Tapferkeit und Männermuth Erglüht des deutſchen Ritters Blut: Von Meer zu Meer, von Strand zu Strand Stürmt er hinaus in's fernſte Land. Doch Ritter Egbert Montabor, Gleich einem Stern, Glänzt allen Helden Deutſchlands vor.

Sein Heerzug gleicht des Sturmes Ton, Sein Muth erſchreckt von ferne ſchon Des deutſchen Ritters muth'ger Gang Erwirbt ſich Tanz, Spiel und Geſang. Doch Ritter Egbert Montabor,

Gleich einem Stern, Glänzt allen Helden Deutſchlands vor.

Des deutſchen Ritters Liebe iſt Stets rein und ſonder arge Liſt;