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Wenn der Beſitzer der Leihbibliothek je zuweilen einen„neumodiſchen“ Roman ſchickte, ſo ſchrieb Frau Emerentia und bat ganz ergebenſt, er möchte ſie mit „ſolchem Geſchmiere“ verſchonen, denn dieſes könnte gewiß ein jeder Menſch ſchreiben, der nur mit Bergen und Seen bekannt wäre— ſie bezahlte für„wirkliche“ Bücher, und erhielte ſie ſolche nicht, ſo gäbe es gottlob ebenſo gut eine Leihbibliothek in Wenersborg als in Skara.
Nach dieſer Zurechtweiſung erhielten ſie denn auch nichts Anderes, als was der neumodiſch geſinnte Buch⸗ händler alten Plunder nannte, und ſo kam es, daß die kleine Familie immerwährend rückwärts lebte und ſich eigenſinnig in der Sphäre feſthielt, in welcher ſie ſich am beſten befand.
Unter allen Romanen, die Blenda's junges Gemüth gefeſſelt hatten, war beſonders einer, den ſie ſo hoch ſchätzte, daß der Vater denſelben kaufte und ihn ihr zu ihrem Geburtstage ſchenkte, und dieſes Nonplusultra von intereſſanten Werken führte den Titel:„Bertha und Agnes, oder Stolz und Liebe.“
Die ſtolze Bertha und die liebesweiche Agnes liebten beide den Ritter Egbert Montabor; und der Ritter Egbert Montabor,„gleich einem Stern,“ wie es im Liede heißt, leuchtete ihnen Beiden, denn er betete die ſtolze, muthige Bertha an, aber ſeine Liebe gehörte der zärtlichen, ſanften Agnes, welche vor ſeinem ſtarken männlichen Muthe erzitterte, während Bertha ihn ſtets anfeuerte, die Gefahr zu ſuchen.
Das Alles verurſachte in Blenda einen ewigen Kampf. In dem einen Augenblicke träumte ſie, daß ſie, gleich Agnes, unter Blumen, Lämmern und Vögeln einherwandelte; bald ritt ſie wie Bertha verkleidet in das Lager ihres ritterlichen Geliebten, und trotzte der Verſchämtheit ihres Geſchlechtes, um nur einige Stun⸗ den in feinem Zelte weilen zu dürfen, bald ſchlich ſie wieder, verwandelt in einen Troubadour, mit der Harſe


