wimmelten, und der Hintergrund erfüllt war mit Zug⸗ brücken, gothiſchen Thürmen, Vehmgerichten und vor allen mit jenen entzückenden Weſen, welche wandernde Troubadours genannt wurden, unter deren Geſtalt ſich ſo oft ein verkleideter Liebhaber, bisweilen wohl gar eine Liebhaberin verbarg.
Mochten aber die Bücher von dem Familien⸗ oder dem Ritterleben handeln, ſo fühlte die kleine Familie ſich ſo geſeſſelt— die Frauenzimmer bei ihren leiſe ſchnurrenden Spinnrädern, die von ſelbſt zu gehen ſchienen, der Fähndrich bei der Pfeife und ſeinem Beruf als Vorleſer— daß der Nachmittag und der Abend wie ein Wind dahin flogen, und wenn man auch nach dieſem Seelengenuß für den Körper weiter nichts als Gerſtenbrei hatte, ſo war das von gar keiner Bedeutung,„denn,“ ſagte die Hausmutter, nachdem ſie gleichwohl zuvor für den Bater ein Stückchen kaltes Fleiſch in der Speiſekammer aufgeſucht hatte,„man ißt ja nur, um das Leben zu erhalten, und wenn man zuletzt auch nur Hafermehlbrei hat, ſo iſt man darum noch nicht unglücklicher.“
Nicht ein einziges Mal ſiel der guten Frau der Gedanke ein, dieſe poetiſche und loſe, in ſolchem Ueber⸗ fluß genoſſene Speiſe könnte ihrer geliebten Blenda ſchädlich werden— nein, in Blenda's Kopfe mochten Ritter und Pagen, Fräulein und Troubadours frei umherwimmeln; und obgleich dieſe ganze Schule nebſt der Lafontaine'ſchen und Kotzebue'ſchen mit ihrem hoch⸗ geſpannten und weiten Gefuͤhlsfluge damals ſchon ver⸗ altet war und die übrige Welt von der neuen oder Walter⸗Scott'ſchen entzückt wurde, ſo verlohnte es ſich für die Waverley⸗Novellen mit ihrem nüchternen Ver⸗ ſtande, ihren bewunderungswürdigen Naturbeſchreibun⸗ gen und kraftvollen, wenn auch dem alten Geſchmacke nach unromantiſchen Charakteren gar nicht der Mühe, ihren Vorgängern auf dem Fähndrichsdienſtgute den
Rang abzulaufen.


