waren ſehr galante Leute— ſondern auch wirkliche Ehen abzuſchließen. Dergleichen iſt aber niedrig. Sie könnten wohl genug haben mit ihren Annoncen.... Hier muß jedoch von etwas Anderem die Rede ſein, denn Regine Sophie iſt allzu ehrbar und ſtreng in ihren Sitten, als daß ſie es dem Sohne geſtatten ſollte, ein ſolches Geſchäft zu übernehmen.“
„Wir werden es ja ſehen, liebe Mutter! Inzwi⸗ ſchen iſt nun mein Schlaf dahin nicht nur für dieſe, ſondern auch für viele Nächte.“
3.
Wie man vielleicht ſchon eingeſehen hat, gehörte Frau Emerentia zu jenen Charakteren, welche das
Privilegium haben, ſich ſelbſt für glücklich zu halten.
Bei dieſer Frau fand ſich eine bewunderungswür⸗ dige Miſchung von Vernunft und Einfalt, Selbſtklug⸗ heit und Hochmuth, Dreiſtigkeit und Heiterkeit, jedoch war keine von dieſen Eigenſchaften den übrigen ſo überlegen, daß ſie der Entwickelung des Ganzen im Wege ſtand. Nur Eines konnte man bei ihr allmächtig nennen, nämlich die ſchwärmeriſche Hoffnung, welche jetzt faſt ausſchließlich auf dem künftigen Glück ihrer Tochter beruhte. Unglücklicher Weiſe aber hatten alle Charakterzüge der allherrſchenden Macht Stoff geliehen, weßhalb dieſe denn auch immer in mehreren Farben ſchillerte.
Gleich ihrer Halbſchweſter Regine Sophie hätte auch Frau Emerentia mit einem wohlhabenden Bürger verheirathet werden können, doch aus edlem Stolze zog ſie den armen Edelmann vor; denn— ſelbſt ein hochwohlgebornes armes Fräulein— ſagte ſie„Gleich und Gleich geſellt ſich gern..“ Auch wurde ihre


