Druckschrift 
Die Romanheldin : Novelle / von Emilie Flygare-Carlén. Aus dem Schwed. von C. F. Frisch
Entstehung
Einzelbild herunterladen

9

Aber, geliebte Mutter, ich kann gar nicht begrei⸗ fen, wie das Alles hieher gehört!

So warte doch!... Dein guter Vater nannte Dich ſchon Blenda, ehe Du noch getauft warſt; denn, ſagte er, dieſer Name muß Glück bringen, ſo wie er auch Ehre bringt. Ich ſchwieg und verſchluckte den Namen der ſeligen Großmutter, obgleich ich feſt überzeugt war, daß Concordia der allerbeſte geweſen ſein würde, und als der Alte nun ſah, daß ich ſchwieg und meinen Aerger verbiß, ſo rührte ihn dieß und er ſagte: Jedem die Hälfte, meine Alte, jedem die Hälfte: Blenda Con⸗ cordia; Blenda aber ſoll das Mädchen heißen!

Ach, mein guter Vater!

Ja, er war gitt wie Gold, und ich war auch bald verſöhnt... Hätte er aber bis heute gelebt, ſo würde er geſehen haben, ob ich nicht Recht hatte.

Was meinſt Du, Mutter?

Ich meine, dieſer Brief, der ſo Vieles verändern kann, iſt geſtern am Concordientage gekommen, ja, mein Kind, wirklich am Concordientage meinſt Du nicht, das bedeutet Etwas? Hier lächelte Frau Emerentia ſo bedeutungsvoll, daß man wohl ſah, wie ſehr ſie von der Wichtigkeit dieſes Omens überzeugt war.

Wenn er aber geſtern kam, warum erfuhr ich denn nicht gleich ſeinen Jnhalt?

Darum, weil ich den Troſt und die Hoffnung, welche ich zu geben hatte, ſo lange ſparen wollte, bis ſie am nothwendigſten waren. Geſtern konnteſt Du hier wurde der guten Frau die Sprache ſchwernoch von Deinem Egbert beim Klaviere ſingen; heute... ſo, weinſt Du nun ſchon wieder?... Muth, nur Muth!... Wollteſt Du wohl das Klavier wieder haben, wenn Du es wirklich bekommen könnteſt, unter der Bedingung, daß eine von den kleinen Schulden, die Dein⸗Daler hinterlaſſen hat, unbezahlt ſtehen bleiben ſollte?

Nein, nein, Mutter! Da könnte ich mich niemals