Druckschrift 
Die Romanheldin : Novelle / von Emilie Flygare-Carlén. Aus dem Schwed. von C. F. Frisch
Entstehung
Einzelbild herunterladen

Ach ja wohl; aber unter uns geſagt, war es ein kleiner Hochmuth bei dem ſeligen Alten Gott er⸗ freue ſeine Seele! Denn, ſiehſt Du... nun, das weißt Du ja ſchon... ſeine Mutter war kein Fränlein, ſondern ein Bauernmädchen von Wärend.*) Auch

prahlte er bisweilen über die hohen Ahnen der Wä⸗

rendmädchen und meinte, ſie wären eben ſo gut wie irgend ein Adel. Die Stammmutter Deiner Groß⸗ mutter hatte ſo große Dinge ausgeführt, daß ſie Ama⸗ zone, Heldin und alles mögliche Stolze genannt wurde. Nun, ich habe Nichts gegen die ſelige Frau, denn wäre für Deine Großmutter etwas zu erben da geweſen, ſo wäre das recht glücklich geweſen, weil die Mädchen in Wärend durch dieſe Blenda gleiches Erbrecht mit den Männern erhalten haben. Doch ſie war arm, und in dieſer Hinſicht ihrem Manne auf's Haar gleich.

*) Eine Sage erzählt, daß eine Heldin aus dem Härade Wärend in Smaland, Namens Blenda, bei einem Einfalle, den die Dänen machten, da alle Männer des Härades abweſend waren, durch eine Kriegsliſt das ganze däniſche Heer vernichtet hat. Die Zeit, wann dies geſchehen, iſt unge⸗ wiß; doch vermuthet man, daß dieſe Begebenheit in das Jahr 1154 fällt. Zum Andenken an dieſe Heldenthat durften ſich ſpäterhin die Bräute in dieſem Härade bei ihrer Fahrt nach der Kirche in Kriegsgürtel kleiden und Kriegsmuſik mit Pfeifen und Trompeten vor ſich her haben; auch erbten die Töchter in dieſem Härade eben ſo viel von dem Nachlaſſe der Eltern, als die Söhne, während ſie in dem ganzen übrigen Schweden auf dem Lande nur halb ſo viel erbten; erſt 1844 wurde das gleiche Erbrecht uͤberall eingeführt.

Anm. d. Ueberſ.