Mädchen ihrer Mutter geantwortet. Und dies war eine Wahrheit; denn wenn Blenda auch bei dem Anhören der Troſtgründe, welche ſie ſchon ſo oftmals gehört hatte, ein Fünkchen von Ungeduld zeigen konnte, ſo hatte dennoch ihre ſanfte und vertrauensreiche Seele noch niemals das Schickſal getadelt, welches ihre Ju⸗ gend ſo ſchwer getroffen hatte.
Thränen waren ja aber erlaubt bei dem bittern Gedanken, daß ſie dieſe lieblichen Töne niemals wieder hören würde, und ohne dieſe ſchenkte ihr das Lied von dem Ritter Egbert Montabor nur einen halben Genuß.
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Einige Minuten ſpäter befanden ſich die beiden einſamen Frauenzimmer in der kleinen Kammer, welche ſie gemeinſchaftlich bewohnten, und zu deren dürftiger Anordnung ſie Alles zuſammengerafft hatten, was ſie nach der Verwüſtung zuſammenſuchen konnten, nebſt den wenigen Möbeln, welche Frau Emerentia bei der Auction erſtanden hatte.
„Nun, meine gute Mutter! wo iſt denn jetzt die Sonne?“ fragte Blenda mit einem Lächeln, das die Thränen durchbrach.
„Wenn Du auch die ganze Sonne nicht gleich zu ſehen bekommſt, ſo will ich Dir wenigſtens einen großen
Strahl zeigen, und ich meine, dieſer iſt ſchon mehr ken hinreichend, um einen geſunkenen Muth zu be⸗ eben.“ „Das glaube ich auch, denn ich bin ſchon durch die Neugierde belebt.“
„Huͤbſch ſtille, ſtille, meine Kleine— man muß langſam genießen!“
„Langſam?“ ſeufzte Blenda. 4.
„Ja wohl; und während Du deine Bewegung be⸗ kämpfſt, ſo beantworte mir die Frage, ob Du jemals geſehen haſt, daß ich in meinem Leben den Muth habe
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