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Die Romanheldin : Novelle / von Emilie Flygare-Carlén. Aus dem Schwed. von C. F. Frisch
Entstehung
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Auf dieſem Wege ſah man eben jetzt vier Per⸗ ſonen, die, von dem Fähndrichsdienſtgute kommend, eine mit dunklem Zeuge bedeckte Bahre trugen, undein der Frühlingsdämmerung hätte man den Gegenſtand, den die Decke verbarg, recht gut für einen unfoͤrmlich großen Sarg halten können. Das war aber nicht der Fall.

Die Bahre enthielt nur ein altes Klavier. In den Wortennur liegt aber bisweilen gar viel, ein ganzer Roman voll rührender Epiſoden.

Das Klavier war der allerletzte Hausrathsartikel, der von der Auction des verſtorbenen Fähndrichs hin⸗ weggeführt wurde. Wenn jedoch die Auswanderung der Tiſche, Betten, Stühle u. ſ. w. ſchon unterdrückte Seufzer gekoſtet hatte, ſo waren gleichwohl dieſe Seuf⸗ zer leicht wie Sandkörner in Vergleich mit denen, welche dem Klavier geweiht wurden, denn an dieſem hingen eben ſo viele heilige, als ſtolze Erinnerungen der klei⸗ nen Familie: es enthielt eine wahre Familienchronik.

Die Großmutter der Wittwe Margaretha Emeren⸗ tia von Kühlen von väterlicher Seite ſie, welche die Welt geſehen hatte und eben darum immer das Orakel der Familie geweſen war hatte in den glän⸗ zendſten Tagen ihren Jugend das erwähnte Inſtrument als Brautgeſchenk erhalten. Da jedoch dieſe Dame mit keiner Tochter geſegnet war, ſo teſtamentirte ſie das Klavier ihrer Schwiegertochter, durch welchen Zu⸗ fall daſſelbe von der männlichen Seite auf die letzte Beſitzerin in der Familie, das ſechzehnjährige Fräulein Blenda, gekommen war, welche gleichwohl nur während eines einzigen armſeligen Jahres das Gluͤck behielt, es das ihrige nennen zu dürfen.

Dennoch hatte dieſes Jahr vollkommen hingereicht, Blenda in alle Geheimniſſe des Klaviers einzuweihen,

welche getreulich von der Mutter auf die Tochter über⸗

gegangen waren. Oft hatte Frau Emerentia zu der damaligen prä⸗ ſumtiven Erbin geſagt:Gerade dort, wo Du jetzt