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Die Romanheldin : Novelle / von Emilie Flygare-Carlén. Aus dem Schwed. von C. F. Frisch
Entstehung
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1.

Meine ſelige Großmutter, welche die Welt geſe⸗ hen hatte, pflegte zu ſagen: nach ſchwarzen Wolken kommt immer wieder Sonnenſchein, und es liegt eine große Weisheit in dieſen Worten.

Weisheit? wiederholte eine jugendliche Stimme, in welcher ſich eine gewiſſe Unzufriedenheit verrieth, mich tröſtet dieſe Weisheit eben nicht, denn der dun⸗ keln Wolken können gar viele ſein, ehe die Sonne nur mit einem hellen Blick uns erfreut.

O Zeit, o ſchnöde Zeit, da die Jugend an den Worten der Alten zweifelt und ihre Denkſprüche tadelt!

Ich tadle ja nicht, ich weine.

Und ich thue etwas Beſſeres: ich handle und wirke.

Handle und wirke? in der jungen Stimme lag ein großes Erſtaunen,was ſollten wir wohl hier wiſſen? Ach, wer doch ſo glücklich wäre, Etwas thun

zu können! Wer da ſucht, der findet, ſagte die ſelige Groß⸗ mutter.. Doch komm nun hinunter, ſo ſollſt Du hören, ob nicht das Sprüchwort wahr iſt!......

Obiges kleine Geſpräch ſiel vor zwiſchen der Wittwe und der Tochter des weiland hochwohlgebornen Fähndrichs bei dem königlichen Weſtgötadal'ſchen Re⸗ gimente, Herrn Swen von Kühlen, indem jene auf der Treppe ſtand, die auf den Boden führte, und dieſe vor dem Dachfenſter, von welchem man eine ziemlich freie Ausſicht auf den ſchmalen Häradsweg hatte..

Die Romanheldin. 1