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Der Professor und seine Schützlinge : fünf Theile / von Emilie Flygare-Carlén
Entstehung
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liebes Kind, verſetzte der Profeſſor, und gegen Wallin⸗ der und Hilda gewandt, ſetzte er hinzu:Ich fürchte, daß dieſe für mich ſo theure Stunde Euch viel Mühe gemacht hat. Was ſagte mein Bruder und meine Schwä⸗ gerin dazu, ſie konnten wohl nicht mitkommen?

Sie konnten nicht zu Hauſe bleiben, erwiederte Hilda und legte die Hand des Onkels über ihre thrä⸗ nenden Augen.Sie mußten ebenfalls mit, um dem Freudentag ihrer Kinder anzuwohnen, und noch mehr um einige freundliche Worte von den Lippen zu erhal⸗ ten, die ſo lange für ſie geſchloſſen waren, die aber gewiß die Sehnenden jetzt mit einem Worte des Will⸗ komms beruhigen werden.

Der Profeſſor erhob ſich ein wenig.Sind ſte hier, ſprach er weich.Mein Bruder wo biſt Du, Hermann?

Noch einmal ging die Thüre auf, und die Brüder lagen einander in den Armen. Frau Borgenſköld ſtand zitternd am Kopfkiſſen, bis Hilda ihre Lippen dem Ohre des Profeſſors näherte und bittend flüſterte:die Mama! Da ſtreckte er die Hand gegen ſeine Schwägerin aus, und ein leiſes, aber deutliches:Ich war zu hart;

verzeih' mir, Eliſabeth! vereinigte alle getrennte Her⸗ zen in einem heiligen und friedlichen ug. Am Täge vör der Trauung war der Profeſſor ſo

ſchwach, daß es der Arzt kaum für möglich hielt, daß er die Feier, die er ſelbſt angeordnet hatte, erleben könnte. Lieutenant Borgenſköld fragte daher ſeinen Bruder, ob der Akt nicht an demſelben Abend noch vorgenommen werden ſollte; aber leiſe den Kopf ſchüttelnd ſchlug der Profeſſor jede Aenderung in dem einmal feſtgeſetzten Plane ab. Die Verlobten waren Alle um ihn, und wetteiferten mit einander, ſeine geringſten Wünſche zu errathen und ihnen zuvorzukommen. Allen ſeinen Schütz⸗ lingen lächelte er ſanft zu; doch ſchien dieſes Lächeln am weichſten zu ſein, wenn er in Roſa's thränendes Auge ſchaute. Wallindern flüſterte er zu:Der Herr Bruder