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Der Professor und seine Schützlinge : fünf Theile / von Emilie Flygare-Carlén
Entstehung
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bekommt ein vortreffliches Weib. Es iſt Kern in dem Mädchen! Sie ſieht aus, als ſei ſie ſo weich, wie Wachs; aber ihr Gemüth iſt feſt, wie Eiſen. Ich habe es erprobt, und ſie hat die Probe beſtanden, wo die meiſten Weiber geſchwankt haben würden.

Ich kenne ihren Werth und werde getreu den edlen Schatz bewahren, den mir der Herr anvertraut hat, erwiederte Wallinder, indem er dankbar dem Profeſſor die Hand drückte für den Lobſpruch, den die⸗ ſer ſeiner Braut gegeben hatte.

Gegen Mitternacht wollte der Profeſſor, daß die jungen Leute ihn verlaſſen ſollten; aber als ſich alle Hände flehend gegen ihn ausſtreckten, und alle Blicke ihn wärmer, als es Worte hätten thun können, um die Erfüllung ihres gemeinſchaftlichen Wunſches baten, ſprach er matt und kaum hörbar:So bleibt denn da, meine Kinder; und Du, Mannerſtedt, lies mir vor.

Er wählte ſelbſt ein paar Abſchnitte aus der Bibel und ſodann einige von Wallins herrlichen Pſalmen. Alles war ſo ruhig, ſo ſtill und friedvoll im Zimmer. Mannerſtedts tiefe, volle Stimme ſchwebte wie ein Geiſterſäuſeln, Hoffnung und Seligkeit verkündend, durch den Raum. 3.

Gegen Morgen ſchlummerte der Profeſſor einige Stunden, und am Johannis⸗Abend fühlte er ſich beſſer, als er ſeit langer Zeit geweſen war, oder war es viel⸗ leicht nur das ſcheinbare Aufflammen der gebrochenen Kraft, die den zitternden Lebensfunken noch einige Stunden feſthalten wollte.

Um ſteben Uhr Abends wurde er ſeinem Wunſche gemäß in den Saal getragen, der, zierlich mit Blumen geſchmückt, an die vielfache Feier erinnerte. Bald ſah man die drei ſeligen Paare die Kniee beugen und die prieſterliche Beſieglung des wichtigen Bundes empfan⸗ gen. Keine ſteifen Komplimente, keine feierlichen Glück⸗ wünſche oder Reden kühlten die reine Flamme ab, die in den Herzen der Neuvermählten brannte. Alles war