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Der Professor und seine Schützlinge : fünf Theile / von Emilie Flygare-Carlén
Entstehung
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enthielten, denn ſie wurden nie in Gegenwart des Pro⸗ feſſors abgegeben oder geöffnet; doch weihte man endlich den Kommerzienrath und ſeine Frau in das Geheimniß ein, und jetzt gab es ein Schaffen und Ordnen im Gaſtzimmer, woraus man ſchließen konnte, daß Fremde erwartet wurden.

Ich weiß nicht, ſagte der Profeſſor eines Abends, einige Tage vor dem Feſte,warum Ihr Alle ſo ein Geläufe und Weſen habt. Ich hab' Euch ja geſagt, Kinder, daß durchaus keine Extra⸗Feierlichkeiten ver⸗ anſtaltet werden dürfen. Recht und ſchlecht ſoll es ſein, und doch ſehe ich deutlich, daß Ihr Alle beſon⸗ ders heute Abend Euch gehabt, als ob Ihr Queckſilber in Euch hättet. Nicht mehr als Eines oder Zwei vermag es ja zugleich hier zu bleiben. Sitzt jetzt hübſch ordentlich zu mir her, und macht Euch kein Kopfverbrechen; die Sache wird dadurch nicht feierli⸗ cher oder heiliger.

Die Verlobten ſahen einander etwas verlegen an. Es war klar, daß ſie etwas auf dem Herzen hatten. Und nicht ohne Unruhe blickten ſte nach dem gelben Zimmer, wo eine hohe Männergeſtalt und ein zartes, weibliches Weſen abwechslungsweiſe an der halbge⸗ ſchloſſenen Thüre vorüberſchwebte. Inzwiſchen ſetzten ſich die jungen Leute um das Bett; aber obwohl ſchwach, hatte der Profeſſor doch mit ſeinem alten Scharfblick ihre Bewegung und ihre Blicke nach der Thüre wahrgenommen. Seine Augen folgten den ihrigen, und mit einer Stimme, die ſeine geſpannte Erwartung verrieth, fragte er ſchnell:Wer regt ſich im Wohnzimmer?

Alle ſchwiegen; nur Mannerſtedt trat heran.Mein theuerſter Vater, ſprach er leiſe und heftete den for⸗ ſchenden Blick auf die Züge des Profeſſors.Wir ha⸗ ben einen Wunſch zu errathen gewagt, von dem wir glaubten, daß er in Ihrem Herzen ruhe. Sie ſind uns deßhalb doch nicht böſe?