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ſtattlich und männlich und anmuthig biſt Du geworden! Mein Gott, es geht doch ſonderbar hier in der Welt zu, beſonders was die Heirathen betrifft! Doch davon wollen wir nachher ſprechen. Gott ſegne Dich, und mache Dich und meine Roſa glücklich!“ Die Kommer⸗ zienräthin beugte ſich nieder, und drückte einen Kuß auf die Stirne des tief erröthenden, beinahe ſchüch⸗ ternen Bräutigams, und ſagte dabei recht mütterlich zärtlich:„Mein Sohn, mein Franz, habe ich Dich nicht immer geliebt?“
Nie war Madame Widen ſo einfach und wahr, vielleicht nie ſo gerührt geweſen, ſeit ihrem eigenen Verlobungstage.
Ehrerbietig führte Mannerſtedt die dargebotene Hand an ſeine Lippen, an ſein von der reinſten menſch⸗ lichen Luſt ſchwellendes Herz.—„Meine gütige, meine unſäglich theure Mutter! Ewig wird Ihre unendliche Güte, Ihre freundliche, uneigennützige Sorgfalt in meinem Herzen leben, und kein Wechſel wird dieſe Schrift verdunkeln können.“—
Am Abend deſſelben Tags war die ganze Familie bei dem Profeſſor verſammelt, wo man die Ringe wechſelte; aber am zweiten Feſttage wollte die Kom⸗ merzienräthin ihren Willen haben, und ſomit wurde die Verlobung auf's Neue in einer glänzenden Geſell⸗ ſchaft verkündigt, wobei die eingeladenen Gäſte be⸗ merkten, daß ſich Fräulein Widen ganz anders, als bei ihrer erſten Verlobung benahm. Jetzt konnte Nie⸗ mand, der ſie ſah, noch ein Bedenken darüber haben, ob ſie eine glückliche Braut ſei, was bei der erſten Gelegenheit nach Mancher Dafürhalten etwas zweifel⸗ haft geweſen war..
Mit dankbarem Entzücken empfing Mannerſtedt von dem Profeſſor die Nachricht von ſeinem ſechswöchent⸗ lichen Urlaube, und mit noch größerem Entzücken erfuhr er von ſeinen künftigen Schwiegereltern, daß
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