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Profeſſor ruft; laß uns zu ihm eilen, der uns dieſes Uebermaß von Seligkeit bereitet hat; unſere Gefühle Ne heren jetzt ihm.“ Hand in Hand ſlogen ſie zu dem
lten, faßten knieend ſeine Hände, und drückten ſie in ſtummer, unendlicher Rührung. Ihre Freudenthränen fielen wie wohlthuende Thautropfen in das Herz des Greiſen.
„Nun, Kinder, erholt Euch jetzt; das war ja eine rechte Ueberraſchung, oder wie, Roſa, mein Mädchen, hatteſt Du eine Ahnung davon?“
„Nein, beſter Onkel, nur eine unendliche Sehn⸗ ſucht,“ antwortete ſie, und wandte den ſtrahlenden Blick auf ihren Geliebten, deſſen Arm ſie umſchlang. Und jetzt war wieder Papa Ling und die ganze Welt ver⸗ geſſen; ſie ſahen nur ſich, alle Gedanken und Gefühle
blieben wie von ſelbſt ſtehen, ihre ganze Seele lag in
ihrem Blick.
Aber bald kam Kapitän Ferdinand, und nachdem er einige Sekunden ein ſtiller Zuſchauer dieſer ſtum⸗ men, aber ſprechenden Gruppe geweſen war, trat er hinzu und unterbrach mit ſeinen muntern Scherzen ihre ſtille, träumeriſche Seligkeit.
Um eilf Uhr ging Mannerſtedt in Geſellſchaft des Kapitäns, um bei ſeinen künftigen Schwiegereltern ſeine Aufwartung zu machen. Gern hätte der Profeſſor ſelbſt ſeinen Schützling begleitet; aber leider konnte er das Zimmer nicht mehr verlaſſen. Doch hatte er Alles ſo klug und vorſorglich vorbereitet, daß er wußte, Mannerſtedt würde mit Freude und ungeheuchelter Zärtlichkeit empfangen werden.
Roſa war etwas früher nach Hauſe gegangen, um die Eltern von der Ankunft ihres Bräutigams zu be⸗ nachrichtigen.
Der Kommerzienrath ging mit großen Schritten im Zimmer auf und ab. Er wünſchte nur einmal den verdammten knappen Frack und die kurzen Beinkleider


