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Der Professor und seine Schützlinge : fünf Theile / von Emilie Flygare-Carlén
Entstehung
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Kommerzienräthin den hinzutretenden Freund mit dem holdeſten Lächeln empfing und ihn verbindlich nöthigte, in dem leeren Sopha neben ihrer eigenen Perſon Platz zu nehmen.

Inzwiſchen blieben die Verlobten einige Augen⸗ blicke allein in dem Kabinete zurück. Der Kapitän führte ſeine Braut an ein Fenſter, und ſchien eben ſo herzlich mit ihr zu ſprechen, als er leiſe redete. Die⸗ ſen Augenblick müſſen wir benützen, um die Portraits ihrer Perſonen zu entwerfen. Der Kapitän, Ferdinand Ling, war ein Mann von mittlerer Größe, kraftvoll, wohlgebaut und mit einer Art ſich zu geben, welche ſeiner Perſon mehr Würde verlieh, als ihr die Natur geſchenkt hatte. Sein Geſicht konnte nicht eigentlich ſchön genannt werden; aber es lag etwas Friſches und Angenehmes darin, das die glänzendere Eigenſchaft erſetzte. Gewöhnlich ſchwebte ein Lächeln um ſeine wohlgebildeten Lippen: wenn man aber dem dunkeln, faſt düſtern Ausdruck trauen dürfte, der bisweilen aus den blitzenden ſchwarzen Augen leuchtete, ſo waren es nur die Lippen, die lächelten, während die Seele viel⸗ leicht mit heftigen Leidenſchaften kämpfte. In ſolchen Augenblicken hielt er den feſten Blick eines Andern nicht aus; die geſenkten Augendeckel verbargen das Spiel, das unter ihnen vorging. Kapitän Ling war übrigens ein Mann, der für ein Muſter von gutem Ton in den gewählteſten Kreiſen der Stadt galt, ein Mann von Bildung und feiner Lebensart, und gerade ein ſolcher, wie man ihn für das geſellſchaft⸗ liche Leben als einen willkommenen Gewinn anſehen ann.

Seine Braut, Roſa Widen, war eine hohe, ſchlanke Blondine von ſehr ſymmetriſchem Wuchſe und allgemein wegen ihrer Schönheit gefeiert, welche ſich in der That der Urform weiblicher Vollkommenheit näherte. Doch ſie ſelbſt kannte dieſen Werth nicht, oder ſchien ihn wenig⸗ ſtens nicht zu kennen. Es war die unbeſchreibliche Ein⸗ fachheit, die entzückende und ungekünſtelte Anmuth in