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Schildwache geſtanden war, in den zweiten Stock hin⸗ auf. Die Art ihres Geſchäfts ſchien deutlich daraus hervorzugehen, daß der ſpäte und geachtete Gaſt ſchon im Oehrn von dem jungen Kapitän und ſeiner reizen⸗ den Braut, der ſchönen Roſa Widen, empfangen wurde.
„Herzlich willkommen, Herr Profeſſor,“ ſagte das junge Mädchen mit freundlicher, wohllautender Stimme. „Es iſt ein wahres Vergnügen für uns, daß der Herr Profeſſor, der ſein Haus ſo ſelten verläßt, uns die Ehre ſeiner Gegenwart ſchenkt.“
„Ja, mein lieber Onkel,“ verſicherte der Kapitän in leichtem und artigem Tone, indem er dem Profeſſor den Arm bot, um ihn in ein Seitenzimmer zu geleiten, „auf meine Ehre, ich halte es für das größte Glück, das mir widerfahren konnte, daß der Herr Onkel mei⸗ nem Ehrentag beiwohnt.“
„Hm!“ ſagte der Profeſſor, und ein ſpöttiſches Lächeln ſpielte um die dünnen Lippen,„hm! es gefällt mir nicht ſehr, Dich eine ſolche Sprache führen zu hören, Ferdinand! wenigſtens gab es heute Morgen noch etwas, das Du höher geſchätzt hätteſt.“ Der Ka⸗ pitän wurde blutroth und ein dunkler Blitz flammte in ſeinen Augen. Er ſchwieg jedoch und wandte ſich zur Seite, als ihn Roſa mit einem gewiſſen Ausdruck der Verwunderung betrachtele.—„Nun, ſprechen wir nicht mehr davon,“ fuhr der Profeſſor in ſanfterem Tone fort, indem er die Braut auf die Stirne küßte und ſeinem Neffen die Hand reichte.„Ich beglück⸗ wünſche euch Beide von ganzem Herzen, oder vielmehr ich wünſche euch Beiden Glück.“ Der Profeſſor wollte eben noch etwas hinzuſetzen, aber er ſchwieg; denn in demſelben Augenblick trat der Kommerzienrath herein. Es war ein hoher, breitſchulteriger Mann von höchſt ſelbſtgefälligem Weſen. Und wenn man ſich auch die Mühe genommen hätte, jeden einzelnen Zug ſeines Geſichtes zu prüfen und ſeine ſtolze oder beſſer hoch⸗ müthige Haltung zu betrachten, ſo würde die Schluß⸗ folge doch dieſelbe geweſen ſein, wie beim erſten Anblick.


