half nichts, gegen den Wind zu ſteuern, denn er war immer abhängig von dem Profeſſor. Der Kummer dauerte inzwiſchen nicht lange. Noch an dem nämlichen Tage warb er um die Tochter des reichen Kommerzien⸗ raths, und Jawort und Verlobung folgten Schlag auf Schlag. Ja, ja, es geht wunderlich zu in der Welt! Aber betrachtet nur Fräulein Hilda, wie ſtolz und herrlich ſie noch ausſieht, obwohl der Jammer ihr im Herzen ſitzt; denn es muß wohl nicht ſehr erfreulich ſein, ſich verſchmäht zu ſehen, weil man nichts weiter als ein ſchönes Geſicht und ſeine fleißigen Hände hat. Pfui, was wir wirklich für junge Herren haben! Geld! Geld! hat ſie Geld? das iſt immer die erſte Frage, wenn ſie heirathen ſollen. Aber ach, Mutter Brita, ſeht nur, wie er ſie ſo traurig anblickt! er muß eine Schlange ſein, der Kapitän, das bin ich feſt überzeugt. Schaut jetzt dorthin, wie er gegen das andere Ende des Saals hinabſchleicht und ſich mit der Braut herumdreht, da zeigt er ein Geſicht ſo heiter wie ein Frühlingsmorgen. Sie iſt wahrlich ein Engel Gottes, das Fräulein Roſa! Ich wollte, Ihr könntet ſie ſehen; verſucht es, Mutter Nachbarin, Euch beſſer hier herauf zu machen.“ Gerade als dieß bewerkſtelligt werden ſollte, ent⸗ ſtand eine Bewegung auf der Straße, die Volksmaſſe wogte auf beiden Seiten aus einander und ließ einen altmodiſchen Wagen durch, der langſam daher rollte und vor dem Hauſe des Kommerzienraths hielt. Ein Bedienter verfügte ſich ſchleunigſt von dem Kutſchbocke herab, und öffnete die Wagenthuͤre, worauf er ehrerbie⸗ tig einem alten hagern Herrn herausſteigen half. Beide, der Herr und der Bediente, ſchienen ein Exemplar zu ſein, das man aus einer längſt vergangenen Zeit auf⸗ bewahrt hatte; wenigſtens nach dem Aeußern zu ur⸗ theilen, denn dieſes war nicht allein bei beiden höchſt altmodiſch, ſondern auch ſehr ſeltſam. Auf den Arm des alten Dieners geſtützt, ſtieg der Herr die Treppe hinauf, und beim erſten Anblick ſeiner Geſtalt flog eine kleine Kammerzofe, die an einem der Parterrefenſter
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Der Professor und seine Schützlinge : fünf Theile / von Emilie Flygare-Carlén
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