haben, damit wir recht nachdenken köͤnnen, wie wun⸗ 4.
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derbar es mit unſern Schickſalen hier in der Welt zugeht. d Wir ſchreiben den dreißigſten Mai. An dieſen Zu⸗ es fall hat aber außer mir heute kein Menſch gedacht— no und ich will ſchon ſchweigen. Duentſinnſt Dich wohl, lieber Onkel, wie wir gleich nach der Ankunft unſers lieben Gra- ſen fen an einem Morgen beim Frühſtück ſaßen und plau⸗ Tt derten und die Poſt ankam— o, dieſer Brief von Stock⸗ ni
holm! wir vergeſſen ihn gewiß nicht. Er enthielt die
Nachricht, daß Abbé heftig erkrankt und geſtorben war. Dieſe Gehirnentzündung, woher ſie kam, nur Gott weiß chl es. Ich habe mich immer gefreut, daß er unſern ſ Arzt rief, ſo daß er gut behandelt wurde, und daß er noch ſo viel Beſinnung hatte, jene drei liebevollen Zei⸗ ſchr
len an Olga zu ſchreiben. Dieſer Abſchied legt doch l noch ein gutes Zeugniß von ihm ab. 3 9 Jetzt ſchläft er in Frieden mit einem prächtigen M Marmorſtein über ſich. Aber was meinſt Du wohl, 1 was heute ſeine junge Wittwe thut? Das räthſt du nimmermehr, Onkel, denn Du biſt ſelbſt ein Zeuge der
änzlichen und langſamen Melancholie geweſen, die auf d ihre Freiheit folgte. Nun, ſo höre denn: in dieſer d
Abendſtunde verſucht ſie ihren neuen— Verlobungsring. her So, Onkel, das war eine von meinen Neuigkeiten, wer
und die zweite hat eine ſtarke, geſchwiſterliche Aehnlich⸗ keit mit der erſten, denn ſie erzählt, von der Hochzeit, das die zu Johannis ſein ſoll. 8
Mit der nächſten Poſt kommt von der Mutter, der en Braut und dem Bräutigam die officielle Nachricht nebſt mem der Einladung zu der väterlichen Würde für Dich. Aber b 6 ich konnte unmöglich warten bis zur nächſten Poſt, dazu lief war ich allzu gluͤcklich, denn merke, geliebter Onkel!—
außer meiner eigenen Hochzeit konnte keine andere mich
näher angehen— der Bräutigam iſt: Graf Her⸗ 1 mann!.* Nun ſehe ich, Onkel, daß Du den Brief fallen läſſeſt. ge
Da ſehe man nur, welch ein Ende das ewige Schachſpiel der jungen verwitiweten gnädigen Frau und iihr


